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Mittwoch, 18. Februar 2009

Sterben: todernst oder mit einem Sterbenden lachen?

Pakhi (Elke Powels)
Ästhetisches Sterben - mit Lachen und Meditation. Ein Buch für Sterbende und Sterbebegleiter
272 S., TB, 15 Bilder, 8 Illustrationen, ISBN 978-3-86582-475-2, 16,80 EUR
In diesem Buch geht es um leichtes, glückliches Sterben. Was hält uns Menschen davon ab, ästhetisch zu sterben? Die Autorin beschreibt die Gründe und zeigt, wie entscheidend Individualität das Leben und den Tod beeinflusst. Sie beschreibt ausführlich die einzelnen Sterbephasen, und berichtet von Erfahrungen mit Sterbenden, die sie während ihrer Arbeit als Altenpflegerin beobachtet hat. Einfühlsam geht sie auf Themen wie Liebe, Lachen und Meditation ein, auf Himmel und Hölle, Zenmeister und deren Lächeln, Begräbnis oder Verbrennung und Totenfeier. Außerdem sind in dem Buch viele hilfreiche Hinweise für den begleitenden Freund eines Sterbenden zu finden. Das ganze Buch ist durchzogen von Witzen und Haikus, die den Text wunderbar leicht und ansprechend machen. Die Autorin bleibt bei ihren eigenen Erfahrungen und gibt viele praktische Hinweise, für die Sterbebegleitung und den Sterbenden selbst. Dieses Buch ist nicht nur interessant für Menschen, deren Tod bevorsteht. In gewisser Weise sind wir alle Sterbende, es mag eine Frage der Zeit sein, wann uns der Tod begegnet. Jeder von uns muss sich ihm stellen - warum nicht in einer so fröhlichen, unbeschwerten und schönen Weise, wie es dieses Buch vorschlägt?

Leseprobe: Körperliche Bedürfnisse von Sterbenden
Wärme: Ein Sterbender hat ein starkes Wärmebedürfnis. Man könnte sagen, ihm ist immer kalt. Das hängt auch damit zusammen, dass sich die Energien nach innen zusammenziehen. Daher kann es schön sein, ihm ein Bettjäckchen und Wollsocken anzuziehen, oder einen warmen Schlafanzug, der auch die Arme bedeckt. Manchmal können Sie ihm auch ein Heizkissen, eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen ins Bett legen, so dass ihm wärmer ist.

Schmerzfreiheit: Sterbende haben oft Schmerzen. Meiner Meinung nach ist das heutzutage nicht mehr notwendig, es gibt gute Schmerzmittel, die rundum wirken, ohne das Bewusstsein zu trüben. Ihr Hausarzt kennt sie sicherlich. Manchmal muss man ein wenig nachhaken, denn die Ärzte sind gelegentlich etwas zurückhaltend beim Verschreiben solcher Medikamente. Ich würde sie viel eher einsetzen, als es üblich ist. Meine Mutter hatte das Glück, in einem Hospiz aufgenommen zu werden, in dem sie mit einem morphinähnlichem Präparat versorgt wurde. Dies hatte den guten Effekt, neben Schmerzlinderung auch noch stimmungsaufhellend zu wirken. Bei meiner Mutter war das eine wunderbare Sache – es kann sein, dass es bei anderen Individuen störend ist – ich jedoch bin ein Befürworter für eine sofortige Schmerzlinderung. Schmerzen können zwar eine Brücke für Bewusstheit sein, doch dazu muss man Erfahrung in Meditation haben. Hat man sie nicht, würde ich jeden Sterbenden sofort mit Schmerzmitteln versorgen.
Auch bei motorischer Unruhe und Ängsten würde ich bei Sterbenden, die keine Erfahrung mit Meditation haben, zu ihrer Beruhigung Medikamente einsetzen. Es gibt keinen Grund, den Körper im Sterben leiden zu lassen.

Ein befeuchteter Mund: Bieten Sie dem Sterbenden öfters zu trinken an. Wenn der Mund trocken ist, sollten Sie ihn alle 10 Minuten befeuchten. Sie können dazu dickere Wattestäbchen in Tee tauchen, oder ein Stück Leinen anfeuchten und den Mund damit auswischen. Es gibt auch künstliche Speichel, die man dem Sterbenden in den Mund sprüht, die sehr hilfreich sind.
Manchmal bildet sich eine raue, borkige Schicht auf der Zunge, die ist mit etwas Butter und einer Zahnbürste zu entfernen.

Hygiene, Sauberkeit: Ein Grundbedürfnis von uns Menschen und auch von einem Sterbenden ist die Sauberkeit. In der Pflege gibt es unterschiedliche Waschungen, eine anregende und eine beruhigende. Bei Ihrem Freund sollten Sie beruhigend waschen, das bedeutet, das Wasser ist warm und die Waschbewegungen gehen mit der Haarwuchsrichtung gehen. Also zum Beispiel an den Armen von der Schulter zur Hand hin, bei den Füßen entsprechend und am Rücken auch von oben nach unten gehend. Die Bewegungen sollten ruhig ausgeführt werden. Als Waschzusatz kann man beruhigende Düfte zusetzen, wie Lavendel-, Sandel- oder Rosenholz- und Rosenöl.
Für den Intimbereich verwendet man Einlagen und Klebehosen. Unnötiges Herumdrehen bei der Intimpflege sollte man vermeiden. Eine sorgsame und aufmerksame Art des Pflegens wäre wünschenswert. Am besten pflegt man einen Sterbenden zu zweit, um Belastungen für ihn zu vermeiden. So kann man die Anstrengung der Pflege für ihn auf ein Minimum herabsetzen.

Wenig Nahrung: Ein Sterbender isst meist nichts mehr. Oder, wenn er überhaupt isst, dann nur bestimmte Dinge. Meine Mutter aß ein halbes Jahr nur ein bisschen Kuchen am Tag, sonst nichts mehr. Und das hat genügt, um sie noch lange leben zu lassen. Zwingen Sie keinen Sterbenden zu essen oder zu trinken. Es ist seine Entscheidung, und es ist eine gute Entscheidung. Es gibt keinen Grund, in Sorge zu sein, weil jemand nichts mehr essen will. Es heißt einfach, dass der Körper nichts weiteres mehr aufnehmen möchte und das kann man als ein Zeichen sehen, dass der Sterbeprozess, der Loslassprozess, begonnen hat.

Vegetarisches Essen: Ernährung mit Fleisch würde den Körper eines Sterbenden zu schwer machen. Vegetarisches Essen bringt Leichtigkeit mit sich, die dem Gesamtzustand des Sterbenden entgegenkommt. Diese Leichtigkeit halte ich für so wichtig, dass ich sie den Nährstoffen des Fleisches vorziehe. Falls der Sterbende sich jedoch sehr kalt fühlt, würde ich ihm als Ausnahme Hühnerbrühe geben, wenn er möchte. Sie hat eine sehr beruhigende und wärmende Auswirkung auf jeden Kranken.
Die meisten alten Menschen haben sich an Fleisch gewöhnt. In den Altenheimen wird sehr viel fleischhaltige Nahrung ausgegeben. Ich halte dies für einen sterbenden Menschen für unangemessen, selbst wenn er sein Leben lang Fleisch gegessen hatte.
Eine vegetarische Kost kann ebenso viele Vitamine, Mineralien und Proteine beinhalten wie eine nicht vegetarische Kost, die notwendigen Proteine könnten zum Beispiel mit Eiern abgedeckt werden. Die vegetarische Kost hat einen großen Vorteil: Es ist ein ästhetisches Essen. Der sonst so dichte Körper wandelt sich nach einer kurzen Umstellungsphase in eine Schwerelosigkeit, die besonders für einen Sterbenden sehr hilfreich ist.

Nonverbale Kommunikation: Wenn Sie die Wahl haben, dann fördern Sie lieber die nonverbale Kommunikation als die verbale. Ein Sterbender geht weg aus dieser Welt und wird sehr subtil, so dass es besser ist, mit ihm auch in dieser Weise zu kommunizieren. Er hat so feine Antennen, dass er von Ihnen viel mehr wahrnimmt, als Sie es glauben. Wenn Sie bei ihm sind, dann lassen Sie einfach nur Ihre Liebe und Freude fließen und er wird es verstehen. Wenn Sie ihm das Essen reichen, dann sprechen Sie nur wenig, geben Sie es ihm in ästhetischer Weise, so wie er es will. Zeigen Sie ihm, dass Sie ihn aufmerksam waschen und pflegen wollen, verwenden Sie nur wenig Worte dafür. Vermitteln Sie ihm alles, was Sie mit ihm tun, durch Ihr bewusstes Handeln. Ihre eigene Aufmerksamkeit ist wichtiger als alle Worte. Er geht auf seine Reise nach innen und das oberste Gebot sollte sein, ihn nicht zu stören.

Umlagerungen: Um ein Druckgeschwür zu vermeiden, muss der Sterbende umgelagert werden. Dies sollte möglichst ohne unnötige Belastung für den Sterbenden vor sich gehen. Es ist daher wichtig, in bestimmten Abständen umzulagern, meist geht man von 2 Stunden aus, doch das ist individuell verschieden. Ihr Freund liegt die ganze Zeit unbewegt auf einer Stelle und daher muss er in einem bestimmten Zeitraum wieder entlastet werden. Man kann durch sorgfältiges Beobachten Stellungen finden, die ihn mehr entspannen als andere. Wenn der Körper entspannt ist, dann ist das angenehmer für ihn. - Webseiten zum Buch mit vielen weiteren Hinweisen

Freitag, 29. August 2008

"Freiheitsberaubung" im Krankenhaus: eingesperrt ohne Toilette und Dusche

Bildquelle Pixelio: (c) Thomas Max Müller
Ich schildere Ihnen hier einen Fall, welcher regelmässig in diesem Krankenhaus vorkommt - und - so fürchte ich, dürfte dies nicht das einzige Krankenhaus sein, wo sich solche Dinge abspielen:

Hintergrund:
Das ältere Krankenhaus verfügt über 3 Bett-Zimmer ohne Toilette und Dusche, nur mit einem Waschbecken versehen und über zuzahlungspflichtige "private" 2-Bett-Zimmer mit Bad- oder Duschraum (d.h. Dusche oder alter Badewanne und Toilette in einem abgegrenzten Raum). Die 2-Bett-Zimmer bleiben Privatpatienten vorbehalten. Sind alle 3-Bett-Zimmer belegt, werden Kranke "vorläufig" in ein 2-Bett-Zimmer gelegt und sobald ein Bett in einem 3-Bett-Zimmer frei wird, dorthin zurück verlegt. Diesen Patienten wird von vornherein mitgeteilt, dass sie in einem 2-Bett-Zimmer liegen würden und dies Privatpatienten vorbehalten sei. So kommt es immer wieder vor, dass sich Patienten als "Menschen zweiter Klasse" degradiert fühlen. Der zwangsweise Umzug vom 2-Bett-Zimmer mit Toilette und alte Badewanne oder Dusche in ein 3-Bett-Zimmer ohne Toilette und mit nur einem Waschbecken ist für manche schwerkranke Patienten, welche z.B. körperlich gar nicht in der Lage sind den Weg über den Flur zur Toilette zu machen eine große Zumutung.

Das Krankenhaus wirbt online, dass es über "moderne" Zweibettkrankenzimmer mit Toilette und Dusche verfüge und hat dazu die "schönsten" Abbildungen nicht repräsentativer Zimmer ins Netz gestellt. Dass die Realität völlig anders aussieht, erfährt der "angehende" Patient nicht. Dort steht nicht, dass solche Zimmer den Kassenpatienten auf Station 1 und 3 (Pulmologie + Innere) nicht offen stehen. Diese müssen sich grundsätzlich mit einem 3-Bett-Zimmer ohne Toilette und Dusche begnügen. Auf Station 1 befinden sich wenigstens 3 Toiletten und ein Duschraum auf dem Flur. Auf Station 3 gibt es nur eine!!! Toilette auf dem Flur und keine Duschmöglichkeit auf der Station.... Beide Stationen verfügen über je 30 Betten.

Die Situation: Unterbringung alleine im 3-Bett-Zimmer ohne Toilette und Dusche für Quarantänepatienten

Aufgrund weiterer Symptome (virale und bakterielle Infektion, Durchfälle) neben einem akuten Asthmaanfall wurde jener Patient, dessen Fall ich hier schildere, unter Quarantänebedingungen aufgenommen. In der Klinik werden auch unter Quarantänebedingungen die "Reservierung" von 2-Bett-Zimmern ausschließlich für Privatpatienten aufrecht erhalten. So wurde dieser Patient, wie wohl auch schon andere Patienten vor ihm, alleine in einem 3-Bett-Zimmer ohne Toilette und Dusche untergebracht.

Obwohl Verdacht auf Norovirus bestand, war jedoch kein antivirales Handdesinfektionsmittel vorhanden. Und da jener Patient nicht in der Lage war "öffentlich" seine "große Notdurft" (d.h. in einem Zimmer, wo der Patient zu jeder Zeit bei seiner "Notdurft" und der anschließend notwendigen Körperreinigung, gestört werden kann) zu verrichten, "verkniff" er sich sein dringendes Bedürfnis so lange es ging.

Da er offiziell das Zimmer nicht verlassen durfte, ließ er sich von seiner Ehefrau heimlich nach Hause bringen und ist dort zur Toilette gegangen - natürlich war er dafür nach seiner Rückkehr von den Schwestern getadelt worden. Allerdings wusste sich dieser Patient nicht anders zu helfen. Denn er ist, wie viele andere Betroffene auch, nicht in der Lage, sein Schamgefühl und seinen Ekel so weit zu überwinden, dass er in dem gut einsichtigen Raum, wo er essen und schlafen muss, seine Notdurft mit der Gefahr jederzeit dabei gestört zu werden, zu verrichten.

Der Patient weiß aus den Erzählungen ähnlich Betroffener, welche sich tatsächlich das Norovirus zuvor in diesem Krankenhaus geholt hatten, dass diese sich auf die Gemeinschaftstoilette im Flur begaben. Sie bekamen Desinfektionsmittel in die Hand gedrückt und sollten anschließend die Gemeinschaftstoilette selbst reinigen, obwohl sie selbst durch diese zusätzliche Viruserkrankung geschwächt waren und selbstverständlich verbunden mit der Gefahr, dass erneut MitpatientInnen der Norovirusgefahr verstärkt ausgesetzt waren.

Der Patient hatte Glück, dass er dieser menschenunwürdigen Situation bereits am nächsten Tag entrinnen konnte. Die einzige Toilette im Flur war, als er sie offiziell aufsuchen durfte, entsprechend verdreckt (Kotreste in der Kloschüssel). Auch nachdem er die Toilette dann unter Ekelgefühlen gereinigt hatte, hat er mit Ekel diese genutzt. Für die "große Notdurft" hat er um seine vorzeitige Entlassung gebeten.

Im übrigen ist dieses Krankenhaus nach ISO im Bereich Qualitätsmanagement zertifiziert.

Geschuldet ist diese Situation einem riesigen Renovierungsstau in Kliniken und der radikal wirtschaftlichen Ausrichtung hin zu einer klaren Zweiklassenmedizin!

Freitag, 18. Juli 2008

Patientenschutz seit 16 Jahren gefordert....dennoch verändert sich nichts

Nach wie vor infizieren sich jährlich deutschlandweit bis zu 800.000 Patienten mit gefährlichen Bakterien, wie den Staphylokokken.Dabei wäre es so einfach: 3 Minuten Händedesinfektion und manches bittere Patientenschicksal könnte verhindert werden.......

Doch scheint Unaufgeklärtheit, Bequemlichkeit und die Frage nach den Kosten der Desinfektion einer Veränderung der Situation im Wege zu stehen. Viel Aufregung gibt es um lebensmüde Patienten, welche eine Sterbehilfe für sich wünschen. (Bildquelle Pixelio: (c) Dr. Karl Herrmann)

An dieser Stelle äußern Politiker und Kirchenvertreter deutlich "ethische" Bedenken. Wenn es um unzureichende ärztliche Versorgung, um Pflegenotstand oder wie hier um Hygiene geht, gelten andere Regeln:

Da wird dann in Kauf genommen, dass Patienten sterben und zu Schaden kommen. Wo bleiben hier die ethischen Bedenken?

Weiterführende Informationen:
Dr. Klaus-Dieter Zastrow, Deutsche Gesellschaft für Krankenhaus-Hygiene:
"Wenn alle Maßnahmen der Hygiene richtig eingehalten werden würden, könnten wir die Krankenhausinfektionen zwischen 30 und 50 Prozent vermindern. Dass heißt übersetzt: mindestens 170.000 bis 250.000 Infektionen könnten vermieden werden." weiter hier:
Maßnahmen gefordert Rund 40.000 Tote durch Krankenhaus-Infektionen

Bericht zu "Sparmaßnahmen" in einer Klinik im Assistenzarztblog:
Arzt, du bist keine 50 ct wert… Oder: Wie baut man sich eine Epidemie?

Sonntag, 20. Januar 2008

Aufgabenverlagerungen und ihre Gefahren: Vom Krankenhaus in die Arztpraxis

Um Kosten einzusparen wird zunehmend die Verlagerung kleiner invasiver Eingriffe in ambulante Zentren und Arztpraxen gefordert:

Hier steckt eine Doppelmoral, wenn man die „Mindestmengenforderungen“ für operative Eingriffe betrachtet:
Die Mindestmengenregelung = Mindestmenge an durchgeführten operativen oder invasiven Eingriffen als Qualitätsmerkmal ist oberflächlich und unzuverlässig. Sowohl zu geringe Erfahrung, als auch zuviel Routine kann zu Kunstfehlern führen. Hier wäre sinnvoller auf die Einhaltung bestimmter Qualitätsstandards zu achten.

Ambulante Eingriffe in Arztpraxen - Nachteile und Vorteile?
So genannte minimal invasive Eingriffe werden zunehmend in einzelnen Arztpraxen durchgeführt. Dies kann (siehe www.aerzte-pfusch.de), allerdings auch zu sehr gefährlichen Auswirkungen für die Patienten führen. Insbesondere deshalb, weil für viele Eingriffe bis heute noch keine Qualitäts- oder Ausbildungsstandards definiert wurden. Risikopatienten und chronisch Kranke sind auch hier stärker belastet und gefährdet.

Wo liegen die Vorteile? Für niedergelassene Ärzte stellen diese Eingriffe eine neue Verdienstmöglichkeit - angesichts ständiger Kürzungen in anderen Bereichen dar. Manche Arztpraxis ist auf diese Einkünfte angewiesen um zu überleben. Auch für Patienten kann es vorteilhaft sein - sofern sie nicht einer Risikogruppe angehören - nicht ein weiter entfernt liegendes Krankenhaus zur Untersuchung aufsuchen zu müssen. Außerdem besteht unter Umständen bereits ein gutes Vertrauensverhältnis zum Arzt und seinem Personal, so dass für ängstliche Patienten die Hemmschwelle für eine notwendige Untersuchung geringer ist.

Wo liegen die Nachteile?

Beispiel endoskopische Eingriffe (Gastroskopie, Koloskopie, Bronchoskopie etc.)
  1. Es gibt hierfür keine Ausbildungskriterien, d.h. es ist den Ärzten und ihrem eigenen Verantwortungsbewusstsein überlassen, ob sie sich den Umgang mit dem Endoskop selbst beibringen, einen Kurs besuchen oder in Begleitung eines Kollegen im Sinne des „Learning by doing“ die notwendigen Kenntnisse aneignen. Sie sehen: es kann – ohne dass Sie es wissen – passieren, dass Sie zum Experimentierobjekt mit entsprechenden Risiken werden.
  2. Es gibt auch keine Qualitätsstandards bezüglich der notwendigen Hygiene für die eingesetzten Geräte. Gute Reinigungsgeräte sind sehr teuer und für einzelne Arztpraxen daher oft nicht erschwinglich.
  3. Es gibt keine Qualitätsstandards, in welcher Form, mit welcher Narkose, Teilnarkose und ähnlichen Methoden die Untersuchung durchgeführt wird.
  4. Es gibt ebenso keine Qualiätsstandards dafür, wie Patienten nach einem solchen Eingriff beaufsichtigt werden.
  5. Das Risiko steigt wenn bei einem endoskopischen Eingriff Gewebeproben entnommen werden müssen. Hier kann es zu Nachblutungen kommen, die lebensgefährlich werden können.
Studien belegen, dass in Krankenhäusern höhere Qualitäts- und Hygienestandards herrschen, als in manchen Arztpraxen. Ein wichtiger Grund liegt in der größeren Erfahrung von Krankenhausärzten, da hier häufiger minimal invasive Untersuchungen und Eingriffe vorgenommen werden. Weiter sind auch die hygienischen Voraussetzungen dort besser. (Ausstattung, Reinigungsgeräte, speziell ausgebildetes Assistenzpersonal etc.) Hier dürfte auch die Kostenfrage eine große Rolle spielen.

Hier kann man Patienten raten:
Informieren Sie sich vor dem Eingriff über die Ausbildung des Arztes, seine Erfahrungen und welche Maßnahmen bei Notfällen vorgesehen sind. Oft besteht bei auftretenden Schwierigkeiten eine große Hemmschwelle, die Patienten ins Krankenhaus zu überweisen.

Für den Fall, dass Sie einer Risikogruppe zuzurechnen sind:
Überlegen Sie, ob der Eingriff in einer Klinik nicht sicherer ist, da bei Komplikationen notwendige Maßnahmen vor Ort ergriffen werden können und keine wertvolle Zeit verloren geht.