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Dienstag, 8. Dezember 2009

Zen für Menschen mit lebensbedrohenden Krankheiten

Arndt Büssing
Regen über den Kiefern - Zen-Meditation für chronisch Kranke und Tumorpatienten
Mit einem Geleitwort des Dalai Lama, 160 S., geb., ISBN 3-932386-48-5, EUR 18,80 (D), EUR 19,50 (A), sFr 34,10
Wenn man mit einer lebensbedrohenden Erkrankung konfrontiert ist, wird man erschreckend auf die eigene Endlichkeit gestoßen. Was ist der Sinn hinter allem? Was ist der Mittelpunkt in meinem Leben? Was man auch tut, nur nicht den klaren Blick auf die einfache Feststellung verlieren: Das bin ich, ob mit oder ohne Krankheit! Lausche in Ruhe! Schon immer haben sich Menschen in die Stille zurückgezogen, wenn für sie wichtige Entscheidungen anstanden; Zeit zum Reifen!
Patienten mit bösartigen Tumoren oder anderen chronischen Krankheiten fühlen sich mit ihren Fragen und Ängsten häufig allein gelassen. Von ärztlicher Seite können außer oft zerstörenden Therapieversuchen kaum hilfreiche Angebote gemacht werden, die den Kranken in seiner Lebenssituation unterstützen.Wie kann man in dieser biographischen Ausnahmesituation damit umgehen, dass das Leben anders zu verlaufen scheint als geplant?
Dieses Buch gibt keine Ratschläge, wie man den »aufgezwungenen Kurs« verändern kann, und es verspricht auch keine »Heilung«. Die Beiträge namhafter Meditations-Lehrer sowohl westlicher als auch östlicher Prägung ermutigen aber Patienten und ihre Angehörigen, den eigenen Schritten im Leben zu trauen. Sie geben – was in einer solchen Situation von elementarer Wichtigkeit ist – konkrete Anregungen, mit der Verunsicherung umzugehen, und leiten einfühlend an, die Achtsamkeit den »alltäglichen Dingen« gegenüber wieder zu entdecken und die eigene Lebensgestaltung neu zu orientieren.
Was man auch tut, nur nicht den klaren Blick auf die einfache Feststellung verlieren: Das bin ich – ob mit oder ohne Krankheit. Lausche in Ruhe!
Der Zen-Weg ist ein spiritueller Weg, der für jeden offen ist, gleich welcher Rasse, Nationalität, Geschlecht oder Religions-Tradition man angehört. Jeder kann diese unterschiedlichen Meditationen ausprobieren. Oft sind es auch nur einzelne Sätze oder Worte, die im Patienten etwas Ausschlaggebendes zum Klingen bringen.
Aus dem Geleitwort: »Krankheit, Leiden und Tod sind Teil der Realität der menschlichen Existenz. Es wäre genauso töricht vorzugeben, man sei nicht krank, wenn man es doch ist, oder man werde niemals sterben, wie es auch töricht ist, die Möglichkeit zu leugnen, jemals gesund zu werden.
Als menschliche Wesen wünschen wir uns alle Glück und versuchen, Leiden zu vermeiden. Einer der Hauptgründe hierfür ist unsere geistige Haltung. Physische Gesundheit ist eng verbunden mit der Haltung des Geistes. Wissenschaftliche Experimente haben gezeigt, daß ein stabiler und ruhiger Geist grundlegende physische Funktionen, wie die Verdauung und den Schlaf, verbessert. Wenn jemand andererseits mental erschöpft ist, dann können ihn sogar die Freunde, Komfort und Reichtum nicht glücklich machen.
Unsere Grundeinstellung dem Leiden gegenüber entscheidet ganz wesentlich darüber, wie wir es erfahren. Stellen Sie sich zum Beispiel zwei Menschen vor, die einen identischen Tumor im Endstadium haben. Einzig ihre Haltung dazu unterscheidet sie. Einer sieht den Tumor als etwas an, das man annehmen und, wenn möglich, in eine Gelegenheit umwandeln muss, innere Stärke zu entwickeln. Der oder die andere reagiert auf diese Lage mit Furcht, Verbitterung und Angst vor der Zukunft. Auch wenn allein auf der symptomatischen Ebene kein Unterschied zwischen den beiden hinsichtlich ihrer Krankheit besteht, so gibt es doch einen wesentlichen Unterschied bei der Wahrnehmung ihrer Krankheit auf mentaler Ebene. In letzterem Falle kommt zum physischen Leiden noch der Schmerz des inneren Leidens hinzu.« Der Dalai Lama

Mit Beiträgen von
• Niklaus Brantschen
• Arndt Büssing
• Der Dalai Lama
• Dae-Haeng Keun Sunim
• Joan Halifax
• Albert Low
• Heinz-Jürgen Metzger
• Fumon S. Nakagawa
• Roland Rech
• Seung Sahn
• Randall Weingarten
• Dagmar Doko Waskönig
• Michael Wenger
• Sylvia Wetzel

Ein Mönch fragte einen Zen-Meister: »Wie kann ich die Hitze des Sommers und die Kälte des Winters vermeiden«? »Gehe dorthin, wo es keine Hitze des Sommers und keine Kälte des Winters gibt«! »Und wo ist das«?, fragte der Mönch. »Wenn es heiß ist, schwitze, wenn es kalt ist, friere«, antwortete der Meister.
»Ich habe keinen Zweifel daran, dass jeder, der sich aufrichtig bemüht, Meditation zu praktizieren, so wie sie in diesem Buch vielfältig beschrieben ist, mit einem größeren Gefühl inneren Friedens und mit Stärke belohnt wird.« DER DALAI LAMA

Freitag, 29. August 2008

"Freiheitsberaubung" im Krankenhaus: eingesperrt ohne Toilette und Dusche

Bildquelle Pixelio: (c) Thomas Max Müller
Ich schildere Ihnen hier einen Fall, welcher regelmässig in diesem Krankenhaus vorkommt - und - so fürchte ich, dürfte dies nicht das einzige Krankenhaus sein, wo sich solche Dinge abspielen:

Hintergrund:
Das ältere Krankenhaus verfügt über 3 Bett-Zimmer ohne Toilette und Dusche, nur mit einem Waschbecken versehen und über zuzahlungspflichtige "private" 2-Bett-Zimmer mit Bad- oder Duschraum (d.h. Dusche oder alter Badewanne und Toilette in einem abgegrenzten Raum). Die 2-Bett-Zimmer bleiben Privatpatienten vorbehalten. Sind alle 3-Bett-Zimmer belegt, werden Kranke "vorläufig" in ein 2-Bett-Zimmer gelegt und sobald ein Bett in einem 3-Bett-Zimmer frei wird, dorthin zurück verlegt. Diesen Patienten wird von vornherein mitgeteilt, dass sie in einem 2-Bett-Zimmer liegen würden und dies Privatpatienten vorbehalten sei. So kommt es immer wieder vor, dass sich Patienten als "Menschen zweiter Klasse" degradiert fühlen. Der zwangsweise Umzug vom 2-Bett-Zimmer mit Toilette und alte Badewanne oder Dusche in ein 3-Bett-Zimmer ohne Toilette und mit nur einem Waschbecken ist für manche schwerkranke Patienten, welche z.B. körperlich gar nicht in der Lage sind den Weg über den Flur zur Toilette zu machen eine große Zumutung.

Das Krankenhaus wirbt online, dass es über "moderne" Zweibettkrankenzimmer mit Toilette und Dusche verfüge und hat dazu die "schönsten" Abbildungen nicht repräsentativer Zimmer ins Netz gestellt. Dass die Realität völlig anders aussieht, erfährt der "angehende" Patient nicht. Dort steht nicht, dass solche Zimmer den Kassenpatienten auf Station 1 und 3 (Pulmologie + Innere) nicht offen stehen. Diese müssen sich grundsätzlich mit einem 3-Bett-Zimmer ohne Toilette und Dusche begnügen. Auf Station 1 befinden sich wenigstens 3 Toiletten und ein Duschraum auf dem Flur. Auf Station 3 gibt es nur eine!!! Toilette auf dem Flur und keine Duschmöglichkeit auf der Station.... Beide Stationen verfügen über je 30 Betten.

Die Situation: Unterbringung alleine im 3-Bett-Zimmer ohne Toilette und Dusche für Quarantänepatienten

Aufgrund weiterer Symptome (virale und bakterielle Infektion, Durchfälle) neben einem akuten Asthmaanfall wurde jener Patient, dessen Fall ich hier schildere, unter Quarantänebedingungen aufgenommen. In der Klinik werden auch unter Quarantänebedingungen die "Reservierung" von 2-Bett-Zimmern ausschließlich für Privatpatienten aufrecht erhalten. So wurde dieser Patient, wie wohl auch schon andere Patienten vor ihm, alleine in einem 3-Bett-Zimmer ohne Toilette und Dusche untergebracht.

Obwohl Verdacht auf Norovirus bestand, war jedoch kein antivirales Handdesinfektionsmittel vorhanden. Und da jener Patient nicht in der Lage war "öffentlich" seine "große Notdurft" (d.h. in einem Zimmer, wo der Patient zu jeder Zeit bei seiner "Notdurft" und der anschließend notwendigen Körperreinigung, gestört werden kann) zu verrichten, "verkniff" er sich sein dringendes Bedürfnis so lange es ging.

Da er offiziell das Zimmer nicht verlassen durfte, ließ er sich von seiner Ehefrau heimlich nach Hause bringen und ist dort zur Toilette gegangen - natürlich war er dafür nach seiner Rückkehr von den Schwestern getadelt worden. Allerdings wusste sich dieser Patient nicht anders zu helfen. Denn er ist, wie viele andere Betroffene auch, nicht in der Lage, sein Schamgefühl und seinen Ekel so weit zu überwinden, dass er in dem gut einsichtigen Raum, wo er essen und schlafen muss, seine Notdurft mit der Gefahr jederzeit dabei gestört zu werden, zu verrichten.

Der Patient weiß aus den Erzählungen ähnlich Betroffener, welche sich tatsächlich das Norovirus zuvor in diesem Krankenhaus geholt hatten, dass diese sich auf die Gemeinschaftstoilette im Flur begaben. Sie bekamen Desinfektionsmittel in die Hand gedrückt und sollten anschließend die Gemeinschaftstoilette selbst reinigen, obwohl sie selbst durch diese zusätzliche Viruserkrankung geschwächt waren und selbstverständlich verbunden mit der Gefahr, dass erneut MitpatientInnen der Norovirusgefahr verstärkt ausgesetzt waren.

Der Patient hatte Glück, dass er dieser menschenunwürdigen Situation bereits am nächsten Tag entrinnen konnte. Die einzige Toilette im Flur war, als er sie offiziell aufsuchen durfte, entsprechend verdreckt (Kotreste in der Kloschüssel). Auch nachdem er die Toilette dann unter Ekelgefühlen gereinigt hatte, hat er mit Ekel diese genutzt. Für die "große Notdurft" hat er um seine vorzeitige Entlassung gebeten.

Im übrigen ist dieses Krankenhaus nach ISO im Bereich Qualitätsmanagement zertifiziert.

Geschuldet ist diese Situation einem riesigen Renovierungsstau in Kliniken und der radikal wirtschaftlichen Ausrichtung hin zu einer klaren Zweiklassenmedizin!

Donnerstag, 21. August 2008

Neues Forum für Lungenkranke (Asthma, COPD.....)

Bildquelle Pixelio: (c)Gerd Altmann
Chronisch Kranke müssen nicht nur lernen, sich mit ihrer Erkrankung zu arrangieren und mit den alltäglich auftretenden "Unpässlichkeiten" umgehen.

Gerade sie bekommen sehr häufig die Folgen der Gesundheitsreform ganz besonders zu spüren: Unzureichende Versorgung mit Medikamenten, mangelndes ärztliches Fachwissen, Budgetierungspolitik etc. etc. In einem neuen Forum für "Pulmopatienten" können Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen:

Forum für Atemwegserkrankte:" Pulmopatienten "
Ein Forum für Betroffene und Angehörige mit Lungenerkrankungen.Wir diskutieren Probleme mit der Krankenkasse, mit Medikamenten, Erfahrungen mit Ärzten und Kliniken, Medikamente und Zuzahlungen, Umgang mit Notfällen und natürlich alle im Rahmen der chronischen Erkrankungen auftretenden alltäglichen und nicht-alltäglichen Unpässlichkeiten usw. usw.

Das Forum ist offen für jeden ohne aufwendige Registrierung....

Samstag, 29. März 2008

Übergewichtige Kinder - Moby-Dick-Netzwerk

Dr. Christiane Petersen
Gesunde Kinder. Ein Motivationsbuch - Bewegungs- u. Ernährungsprogramm für übergewichtige Kinder
Irisiana im Heinrich Hugendubel Verlag 2007, 208 S., Pappband, ISBN 978-3-7205-5016-1, 19,95 € (D), 20,60 € (A), 36,00 sFr
Fast 20% aller Kinder in Deutschland im Alter von 0 bis 17 Jahren gelten als übergewichtig, 7% als fettsüchtig, Tendenz steigend. Übergewicht bedeutet ein erhöhtes Risiko, bereits in jungen Jahren an schwerwiegenden Erkrankungen wie Arthrose, Diabetes und Stoffwechselstörungen zu erkranken. Die Ärztin Dr. Christiane Petersen, Gründerin und Leiterin des ambulanten Therapie-programms Moby Dick, beschäftigt sich seit über zehn Jahren damit, wie man übergewichtigen Kindern innerhalb ihrer Familien und ihres sozialen Umfeldes helfen kann. In ihrem Motivationsbuch Gesunde Kinder präsentiert sie ihr erfolgreiches Konzept – Bewegung, Ernährung und Verhaltenstraining – , das sie mit einem Team aus Ernährungsberatern, Sportlehrern, Pädagogen, Köchen und Ärzten entwickelt hat und tagtäglich mit hervorragenden Ergebnissen in der Praxis anwendet - nach einem Jahr haben durchschnittlich 70% der teilnehmenden Kinder ihr Gewicht deutlich reduziert, der Langzeiteffekt liegt bei beeindruckenden 60%. Gesunde Kinder ist ein Leitfaden für Eltern, der Anleitung und Motivation für eine gesunde Ernährung, ein Familienleben mit viel Bewegung bietet. Eine Fülle praktischer Anleitungen hilft bei der konsequenten Durchführung des Programms im Familienalltag. Dazu gehören Einkaufslisten, Ernährungspläne, Bewegungsspiele – und Tipps, wie man auch mit schmalem Geldbeutel und in der Hektik des Familienlebens die Ziele umsetzen kann. Ziel des Programms ist es, Eltern und Kindern Spaß an Bewegung, gesunder Ernährung und einem neuen Körpergefühl zu vermitteln, so dass sich der Erfolg nicht nur schnell, sondern auch auf Dauer einstellt. Dr. Christiane Petersen ist Lehrerin und Ärztin sowie Gründerin und Leiterin des bundesweiten Therapie- und Präventionsprogramms Moby Dick, das Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und siebzehn Jahren hilft, ihr Gewicht zu reduzieren und zu stabilisieren. Sie ist Mutter von zwei Kindern und lebt in Hamburg.
Moby-Dick-Netzwerk: Übergewicht gehört zu den weltweit am schnellsten wachsenden Gesundheitsrisiken. In Deutschland ist bereits jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche übergewichtig. Besorgniserregend sind aber nicht nur die medizinischen Konsequenzen wie Bluthochdruck, Diabetes, Stoffwechsel- und Gelenkprobleme, sondern auch die psychosozialen Belastungen: Dick sein macht keinen Spaß! Wer übergewichtig ist, wird oft von anderen gehänselt, passt nicht in die Klamotten, die er schön findet, kann nicht richtig mitmachen beim Spielen und Toben und fühlt sich oft einfach nicht wohl in seiner Haut. Wir tun etwas dagegen. - Mobby-Dick-Netzwerk (Dort auch das Buch: Moby Dicks Spaß-Diät für Kinder)

Freitag, 29. Februar 2008

Morbi-RSA - Das neue Unwort für chronisch kranke Menschen

Bekannt ist, dass chronisch Kranke höhere und dauerhafte Kostenbelastungen im Gesundheitswesen verursachen.
Wer zur Gruppe der chronisch Kranken gehört, wird von "oben herab" per Erlass festgestellt:
Bis zu 80 Erkrankungen wurden in den Katalog aufgenommen. Pech für seltene chronische Erkrankungen, welche dort keine Aufnahme gefunden haben. Für die Betroffenen wird es in Zukunft schwer. Denn ihre Behandlung wird von den Krankenkassen nicht ausreichend vergütet, so dass diese Gruppe auf den Einsatz selbstloser Ärzte und Kliniken hoffen muss.

Aber auch jene, welche dieser Gruppe zugeordnet werden können, werden es nicht leicht haben. Sie werden lediglich anhand der "objektiv", d.h. per Apparatemedizin messbarer Größen dort eingeordnet. Die tatsächliche subjektive Befindlichkeit, die bislang medizinisch unerforschten und nicht diagnostizierbaren Erscheinungsformen des individuell geprägten Krankheitsbildes fallen also durch das Raster.

D.h. was "Arzt" nicht per "Apparate" messen kann, existiert als Krankheit auch nicht......

Sehr deutlich wird hier, dass Medizin "bürokratisiert" und "kategorisiert" wird. Nicht Ärzte dürfen die Erkrankung ihrer Patienten anhand der sonst üblichen Faktoren aus der Anamnese und Diagnostik therapieren, sondern Regelkataloge bestimmen, wie und mit was behandelt werden darf resp. was bezahlt wird.

Dennoch oder vielmehr gerade deswegen steigen die Gesundheitskosten ständig an. Es werden nicht mehr Kranke, sondern nur noch Krankheiten nach Vorgaben behandelt. Aus pädagogisch-psychologischer Sicht würde ich sagen, dass die Medizin zunehmend "entmenschlicht" wird und individuell adäquate Behandlungsformen immer weniger bezahlt werden.

Eigentlich braucht man - wenn Medizin so betrieben wird - kaum mehr Ärzte. Es würde in vielen Bereichen ausreichen, Menschen in der Apparatediagnostik auszubilden und sie dann in der Anwendung der staatlich verordneten Einstufungskriterien zu schulen........Wenn es dann soweit ist, darf man als Patient getrost behaupten, dass sich Ärzte mit der Schaffung ihren entindividualisierten und verallgemeinerten Krankheitskatalogen selbst wegrationalisiert haben....

Weiterführende und detaillierte Informationen zum Thema

Donnerstag, 28. Februar 2008

Diabetes ganzheitlich behandeln - ein Buchtipp

Stefan Gölz, Matthias Girke
Diabetes Mellitus Verstehen - vorbeugen - ganzheitlich behandeln


Reihe Krankheit und Gesundheit, Band 16, Gesundheitspflege initiativ 2005, Paperback, 160 Seiten, ISBN: 3932161483, 16.00 EUR


Kaum eine Erkrankung wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mehr an nationaler und internationaler Bedeutung gewinnen wie die Diagnose „Diabetes mellitus“. Es gibt Schätzungen, wonach im Jahr 2000 jeder achte Deutsche an einer „Zuckerkrankheit“ leiden wird ...

Aus der Vorbemerkung: ... Hier soll gezeigt werden, dass "schulmedizinisches" Denken mit dem Anspruch der individuellen, "ganzheitlichen" Behandlung möglich ist, dass komplementäre Behandlungsansätze auch unsere therapeutische Weite vergrößern können. Stellvertretend wird am Ende des Buchs Herr Dr. Girke, ärztlicher Leiter am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin, Behandlungsansätze aus dem Bereich der anthroposophischen Medizin darlegen ... Dieses Büchlein soll einen Überblick bieten, soll Zusammenhänge erläutern und soll auch Verständnis wecken für gewachsene Strukturen, es kann und soll kein Lehrbuch sein, soll aber Interessierten Zugang zu fundierter Information bieten.

Sonntag, 10. Februar 2008

Die Situation der ambulanten ärztlichen Versorgung

Die einst goldenen Zeiten für Ärzte und Patienten sind vorbei:

Sie erinnern sich noch: Ärzte bekamen ihre Leistungen bezahlt und Kranke wurden mit dem versorgt, was medizinisch auch notwendig war. Heute ist nicht die Diagnose für die Behandlung entscheidend, sondern das “staatlich verordnete Budget”

Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in einem Versicherungsunternehmen und machen ihre Arbeit besonders gründlich und leisten Überstunden ohne Ende. Sie wickeln die Versicherungsfälle genau nach Vorschrift (vertragliche Vereinbarungen) ab. Dies haben Sie auch ursprünglich durch die Vereinbarungen in Ihrem Arbeitsvertrag bestätigt.
Erst ein halbes Jahr später erfahren Sie, dass Ihre Überstunden nicht bezahlt werden, weil das Überstundenbudget bereits ausgeschöpft worden ist. Zu allem Überdruß wird Ihnen jedoch noch mitgeteilt, dass Sie 4.000 Euro Ihres Einkommens wieder abgeben müssen, da Sie Versicherte betreut haben, die über das Budget hinaus Leistungen vom Unternehmen erhalten haben. Was unternehmen Sie zukünftig?

So ähnlich ist die Situation der niedergelassenen Ärzte:
Alle haben sie den hippokratischen Eid geschworen Die allermeisten von ihnen haben diesen Beruf ergriffen um Menschen zu helfen und zu heilen.
Jedoch bestimmt die Gesundheitsreform, dass pro Patient die Betreuung nur noch pauschal honoriert wird und wenn das Medikamentenbudget überschritten wird, die Ärzte diese Kosten aus Ihrem Verdienst tragen müssen.

Logische Konsequenz:

Medikamente werden weniger verschrieben. Chronisch kranke Patienten sind von dieser Situation besonders betroffen. Notwendige Behandlungen unterbleiben. Langfristig gesehen könnten all diese Umstände zu einer Kostenverlagerung in die Zukunft führen, denn nicht oder unzureichend behandelte chronisch Kranke verlieren eher ihre Arbeitsfähigkeit (d.h. sie können keine Sozialabgaben bezahlen, sondern benötigen selbst staatliche Hilfe) und die Krankheitssituation verschlimmert sich, d.h. der Patient verursacht noch mehr Kosten, die das Gesundheitssystem belasten.

Mittwoch, 6. Februar 2008

Die Situation Schwerstkranker in unserem Gesundheitssystem

einfühlsam, informativ und mitreißend erzählt von Petra Thorbrietz in ihrem Buch:

http://www.zsdebatten.com/buch/lebenthorbrietz

Abschiednehmen und würdevolles Sterben - eine persönliche Streitschrift
Petra Thorbrietz:Zabert Sandmann Verlag
Hardcover mit SU, 176 Seiten, 16,95 € [D] · 17,50 € [A] · 29,95 sFr
ISBN: 978-3-89883-186-4 Leseprobe

Ein Plädoyer gegen das Wegsehen und für einen anderen Umgang mit dem Tod +++ Zwischen Zuwendung und Leid: ein Erlebnisbericht +++ Wie menschlich ist unsere Medizin?

Einmal angefangen, bin ich von diesem einzigartigen Buch nicht mehr losgekommen.

Auch wenn viele gerne einen Bogen um das Thema "Tod" machen, hier wird die Lektüre zum Gewinn. Petra Thorbrietz lässt den Leser hautnah an ihren Gedanken und Gefühlen teilnehmen. Still und leise spürt man als Leser, wie intensiv und schön die Beziehung zu ihrem Mann, welchen sie bis in die letzten Stunden begleitete, gewesen sein musste.

Sie macht nachdenklich, veranlasst den Leser zu fragen, ob man sein Geschenk des Lebens nutzt, kurz, ob man wirklich "lebt" und versteht, die Zeit zu genießen, die einem zur Verfügung steht.....

Frau Thorbrietz schildert die Konflikte, welche Angehörige zwischen Hoffnung und schwerem Leid bis zum Ende erleben. Sie berichtet wie unzählige Fragen, fehlende Antworten der Medizin und Mediziner, unterschwellige Schuldgefühle, Entscheidungskonflikte und Handlungsrechtfertigungen plötzlich den eigentlichen Alltag beherrschen und kaum Raum für andere Dinge mehr lassen.

Frau Thorbrietz zeigt uns in ihrem Buch, wie unser Gesundheitssystem den kranken "Menschen" aus den Augen verloren hat, wie Medikamente und Apparate den medizinischen Alltag beherrschen und dabei zentrale Aspekte des Leides völlig aus dem Blick geraten. So beklagt Frau Thorbietz, wie sich ihr schwerkranker Mann mit schlimmsten Schmerzen quälen musste, nur weil in Deutschland wenig Ärzte über eine angemessene Schmerzbehandlung Bescheid wissen.

Das Buch ist Literatur und Sachbuch in einem. Es nimmt den Leser gefangen und klärt gleichzeitig auf. Wer in eine ähnliche Situation gerät, ist vorbereitet und zieht großen Gewinn aus den Erfahrungen der Autorin. Und ganz nebenbei ist es ein Aufklärungsbuch über erschreckende Zustände in unserem Gesundheitssystem.

Nicht von vielen Büchern kann man sagen, dass es ein großer Verlust wäre, es nicht gelesen zu haben. Bei diesem Buch ist es so.....Ein Buch, welches man nicht nur einmal liest.

Besten Dank an die Autorin, welche uns damit ein besonderes "Geschenk" gemacht hat.

Hier können Sie die Autorin bei einem Interview zu ihrem Buch "kennen lernen": Wer nah am Tod ist, ist sehr intensiv und nah am Leben, sagt Petra Thorbrietz im Podcast: hier

Weitere Informationen zur Situation im Gesundheitswesen: hier

Freitag, 11. Januar 2008

Kostensteigerungen und Qualitätsverluste dank Fehlentscheidungen

Ärztliche Zulassungsbeschränkungen ohne Rücksicht auf chronisch Kranke
(SGB V, § 2a)

Das neue Jahr bringt so manche "Neuerung" mit sich. Heute stelle ich Ihnen ein Beispiel vor, wie die reformierte Gesetzgebung und Fehlentscheidungen von sog. Zulassungsgremien der Kassenärztlichen Vereinigung zu weiteren Kostensteigerungen im Gesundheitswesen führen können:

In den vergangenen Jahren wurde das Gesundheitswesen zwar drastisch teuerer, die Versorgung für Patienten hingegen zunehmend schlechter. Viele Regelungen werden auf dem Rücken der Patienten ausgetragen und etliche Entscheidungen sind unüberlegt, stützen eine bestimmte Lobby und produzieren nur Kosten.

Zu diesem Thema möchte ich Ihnen darüber berichten, wie die Zulassungsausschüsse - in diesem Fall in NRW - chronisch Kranke schikanieren, den Verwaltungsaufwand der Ärzte erhöhen, voraussichtlich die Anzahl der stationären Einweisungen steigern und in der Gesamtsumme die Kosten unseres Gesundheitssystems in die Höhe treiben.

Ein Fall - und dennoch ein Fall, der für viele andere steht.....:

Da es zu wenig Lungenfachärzte gibt, hat der Chefarzt in einem Krankenhaus kommunaler Trägerschaft seit vielen Jahren eine Zulassung, als Lungenfacharzt tätig zu sein. Seit Jahresanfang hat nun der zuständige Zulassungsausschuß die Praxistätigkeit beschränkt, so dass keine Medikamentenverschreibungen und Verordnungen für eine ambulante Bronchoskopie, sowie stationäre Behandlung mehr veranlasst werden dürfen. Seit vielen Jahren hat dieser Arzt einen festen Patientenstamm, ist engagiert, sehr beliebt und für seine Patienten über das normale Maß hinaus ansprechbar.

Viele seiner Patienten sind schwer und chronisch lungenkrank. Einen Patienten nehme ich hier als Beispiel, da hier die Absurdität der Entscheidung des Zulassungsausschusses obsolet wird:

Herr Muster, chronisch krank (Asthma bronchiale mit COPD-Anteilen, Schweregrad 3, regelmässig wiederkehrende Infektexazerbationen, häufige Krankenhausaufenthalte (rund 15mal in einem Zeitraum von 3 Jahren, durchschnittliche Aufenthaltsdauer: 14 Tage).

Seine Bronchien füllen sich innerhalb weniger Wochen mit sehr zähem Sekret, trotz zahlreicher verschiedentlicher Therapieversuche. Das zähe Sekret hat die Eigenschaft sich nach und nach mit Bakterien zu besiedeln, so dass sich die Bronchien in einem ständigen Entzündungszustand befinden. Dies führt dann wiederum zur Verstärkung der Asthma- und Atembeschwerden und drastischer Verringerung der körperlichen Leistungsfähigkeit verbunden mit Arbeitsunfähigkeitszeiten bis hin zu schweren Anfällen. Medikamentös ist der Patient austherapiert.

Einzige Hilfe bekommt der Patient über regelmässige "therapeutische" Bronchoskopien. Dabei wird das festsitzende Sekret abgesaugt und damit quasi der Nährboden für Bakterien entfernt. Ist die in der Regel immer vorhandene bakterielle Besiedelung kritisch, wird eine Antibiotikabehandlung eingeleitet. Mit diesen Maßnahmen konnten Krankenhausaufenthalte, schwere Anfälle und die Arbeitsunfähigkeitszeiten deutlich reduziert werden.

Seit Anfang diesen Jahres hat nun der Zulassungsausschuß der Krankenkassen folgende Änderungen vorgenommen:

Die Vollmachten des Lungenfacharztes wurden eingeschränkt, d.h. er darf zwar weiter im Krankenhaus eine Facharztpraxis betreiben (eben weil zu wenige Lungenfachärzte für die Versorgung zur Verfügung stehen) , allerdings darf er keine Rezepte mehr ausstellen und seine Patienten nicht mehr zur Bronchoskopie ins eigene Krankenhaus überweisen. Er darf nun nur noch Patienten übernehmen, wenn diese zuvor von einem Kollegen untersucht und dann direkt zu ihm wieder überwiesen werden, was ja automatisch passiert, da alle Kollegen auch schon vorher überlastet waren......

Zielsetzung dieser Maßnahmen ist - soweit bekannt -, die Reduzierung der ambulant durchführbaren minimal-invasiven Eingriffe in Krankenhäusern und die Sicherung der Einkunftsquellen für niedergelassene Fachärzte! Obwohl es für diesen Bereich kaum Qualitätsstandards gibt und quasi Ärzte ohne gesonderte Fortbildungen minimal-invasive Eingriffe vornehmen dürfen, haben in Zeiten der Kostenstreichungen für Privatpraxen, niedergelassene Ärzte diese "Verdienstmöglichkeit" entdeckt und zunehmend ausgebaut.

Zu diesem Thema findet man dann auch - gerade von Patientenvertretungen (im Internet berichtet) - immer wieder Zwischenfälle, welche im Krankenhaus hätten vermieden werden können oder weniger tragisch geendet wären.

Denn sobald Magen-, Darm- und Lungenspiegelungen bei Risikopatienten durchgeführt werden, kann es schwierig werden. Bei manchen Patienten weiß man vor einer Untersuchung noch nicht, dass man es ggf. mit einem Risikopatienten zu tun hat.
Da bei diesen Eingriffen gerne Sedativa verwendet werden bzw. teilweise auch verwendet werden müssen, besteht neben den Risiken einer begleitenden Gewebsentnahme (Nachblutungen u.ä.) auch das Risiko von Atem-, Herz- und Kreislaufproblemen. Im Falle einer ambulanten Spiegelung können diese Patienten ohne Probleme stationär aufgenommen und beaufsichtigt werden. Bei Eingriffen in Privatpraxen kann die Nachsorge medizinisch nur eingeschränkt stattfinden. Bei instabilen Patienten besteht die Gefahr, dass eine Überweisung ins Krankenhaus aus Imagegründen vermieden wird.

Herr Muster ist als Asthmatiker bei einer Bronchoskopie immer auch eine Risikopatient. So gibt es Kliniken, welche bei Herrn Muster aufgrund seiner Asthmaerkrankung eine Bronchoskopie mit Hinweis auf die Risiken verweigerten !

Herr Muster ist nicht der einzige Betroffene, sondern die Sachlage trifft quasi alle chronischen Atemwegserkrankten, welche in regelmässiger ärztlicher und stationärer Behandlung sind.

  1. Es gibt generell zu wenig Lungenfachärzte ==> lange Wartezeiten für einen Termin.
  2. Es gibt zu wenige Praxen, welche ambulante Bronchoskopien durchführen
  3. Neuregelung führt nun dazu, dass 2 Lungenfachärzte aufgesucht werden müssen, wenn Herr Muster bei seinem Lungenfacharzt bleiben möchte.
  4. Wenn bei Herrn Muster eine Bronchoskopie angezeigt ist, muss nun - ob sinnvoll oder nicht - eine Untersuchung beim Facharztkollegen stattfinden, d.h. die Arztkosten werden in die Höhe getrieben.

Das bedeutet für Herrn Muster:
Die Situation, dass sich die Atemwege zusetzen entwickelt sich zwar allmählich, ist aber weder vorhersehbar, noch irgendwie in Wochen "berechenbar". Also entsteht die Situation akut.
Nun ist er gezwungen, einen Termin bei einem Facharzkollegen seines Lungenfacharztes zu vereinbaren, dort - mit seinen Beschwerden - stundenlang ins Wartezimmer zu sitzen - um sich dort untersuchen zu lassen, dann von dort eine Überweisung zu seinem bisherigen Lungenfacharzt zu bekommen, bzw. eine Überweisung für eine Bronchoskopie.

D.h. all diese Abläufe dauern zusätzlich Zeit (Arbeitsausfall bei Herrn Muster) und verursachen zusätzliche Kosten.

Die Folge ist:
Von der Ärztevereinigung verordnetes Ärztehopping führt für chronisch Kranke zu gehäuften stationären Aufenthalten und Behandlungsmehrkosten:

Die zweite und wahrscheinlichere Variante ist die, dass Herr Muster, weil er die Anstrengungen des ihm indirekt "verordneten" Ärztehoppings nicht mehr bewältigt, sich vom Hausarzt gleich stationär einweisen lassen muss, mit dem Ergebnis, dass eine ambulante Behandlung in einen stationären Aufenthalt umgewandelt wird, verbunden mit entsprechend höheren Kosten.

FAZIT:
Den chronisch Kranken wird ohne Rücksicht auf ihre Situation höhere Belastungen auferlegt. Sie müssen nun einen ihnen völlig fremden Facharztkollegen aufsuchen, dieser "darf" dann an den bisherigen Lungenfacharzt zur Weiterbehandlung überweisen. Werden ambulante Eingriffe oder stationäre Aufenthalte notwendig, wird es für die chronisch Kranken ebenfalls umständlicher. Da der bisherige Lungenfacharzt keine Medikamentenverschreibungen vornehmen darf, muss hierfür wieder der andere Facharztkollege aufgesucht werden........

Dabei ist im SGB vorgesehen, dass chronisch Kranke angeblich einen besonderen Schutz erfahren sollen:

SGB V § 2a Leistungen an behinderte und chronisch kranke Menschen: Den besonderen Belangen behinderter und chronisch kranker Menschen ist Rechnung zu tragen.