Freitag, 29. August 2008

"Freiheitsberaubung" im Krankenhaus: eingesperrt ohne Toilette und Dusche

Bildquelle Pixelio: (c) Thomas Max Müller
Ich schildere Ihnen hier einen Fall, welcher regelmässig in diesem Krankenhaus vorkommt - und - so fürchte ich, dürfte dies nicht das einzige Krankenhaus sein, wo sich solche Dinge abspielen:

Hintergrund:
Das ältere Krankenhaus verfügt über 3 Bett-Zimmer ohne Toilette und Dusche, nur mit einem Waschbecken versehen und über zuzahlungspflichtige "private" 2-Bett-Zimmer mit Bad- oder Duschraum (d.h. Dusche oder alter Badewanne und Toilette in einem abgegrenzten Raum). Die 2-Bett-Zimmer bleiben Privatpatienten vorbehalten. Sind alle 3-Bett-Zimmer belegt, werden Kranke "vorläufig" in ein 2-Bett-Zimmer gelegt und sobald ein Bett in einem 3-Bett-Zimmer frei wird, dorthin zurück verlegt. Diesen Patienten wird von vornherein mitgeteilt, dass sie in einem 2-Bett-Zimmer liegen würden und dies Privatpatienten vorbehalten sei. So kommt es immer wieder vor, dass sich Patienten als "Menschen zweiter Klasse" degradiert fühlen. Der zwangsweise Umzug vom 2-Bett-Zimmer mit Toilette und alte Badewanne oder Dusche in ein 3-Bett-Zimmer ohne Toilette und mit nur einem Waschbecken ist für manche schwerkranke Patienten, welche z.B. körperlich gar nicht in der Lage sind den Weg über den Flur zur Toilette zu machen eine große Zumutung.

Das Krankenhaus wirbt online, dass es über "moderne" Zweibettkrankenzimmer mit Toilette und Dusche verfüge und hat dazu die "schönsten" Abbildungen nicht repräsentativer Zimmer ins Netz gestellt. Dass die Realität völlig anders aussieht, erfährt der "angehende" Patient nicht. Dort steht nicht, dass solche Zimmer den Kassenpatienten auf Station 1 und 3 (Pulmologie + Innere) nicht offen stehen. Diese müssen sich grundsätzlich mit einem 3-Bett-Zimmer ohne Toilette und Dusche begnügen. Auf Station 1 befinden sich wenigstens 3 Toiletten und ein Duschraum auf dem Flur. Auf Station 3 gibt es nur eine!!! Toilette auf dem Flur und keine Duschmöglichkeit auf der Station.... Beide Stationen verfügen über je 30 Betten.

Die Situation: Unterbringung alleine im 3-Bett-Zimmer ohne Toilette und Dusche für Quarantänepatienten

Aufgrund weiterer Symptome (virale und bakterielle Infektion, Durchfälle) neben einem akuten Asthmaanfall wurde jener Patient, dessen Fall ich hier schildere, unter Quarantänebedingungen aufgenommen. In der Klinik werden auch unter Quarantänebedingungen die "Reservierung" von 2-Bett-Zimmern ausschließlich für Privatpatienten aufrecht erhalten. So wurde dieser Patient, wie wohl auch schon andere Patienten vor ihm, alleine in einem 3-Bett-Zimmer ohne Toilette und Dusche untergebracht.

Obwohl Verdacht auf Norovirus bestand, war jedoch kein antivirales Handdesinfektionsmittel vorhanden. Und da jener Patient nicht in der Lage war "öffentlich" seine "große Notdurft" (d.h. in einem Zimmer, wo der Patient zu jeder Zeit bei seiner "Notdurft" und der anschließend notwendigen Körperreinigung, gestört werden kann) zu verrichten, "verkniff" er sich sein dringendes Bedürfnis so lange es ging.

Da er offiziell das Zimmer nicht verlassen durfte, ließ er sich von seiner Ehefrau heimlich nach Hause bringen und ist dort zur Toilette gegangen - natürlich war er dafür nach seiner Rückkehr von den Schwestern getadelt worden. Allerdings wusste sich dieser Patient nicht anders zu helfen. Denn er ist, wie viele andere Betroffene auch, nicht in der Lage, sein Schamgefühl und seinen Ekel so weit zu überwinden, dass er in dem gut einsichtigen Raum, wo er essen und schlafen muss, seine Notdurft mit der Gefahr jederzeit dabei gestört zu werden, zu verrichten.

Der Patient weiß aus den Erzählungen ähnlich Betroffener, welche sich tatsächlich das Norovirus zuvor in diesem Krankenhaus geholt hatten, dass diese sich auf die Gemeinschaftstoilette im Flur begaben. Sie bekamen Desinfektionsmittel in die Hand gedrückt und sollten anschließend die Gemeinschaftstoilette selbst reinigen, obwohl sie selbst durch diese zusätzliche Viruserkrankung geschwächt waren und selbstverständlich verbunden mit der Gefahr, dass erneut MitpatientInnen der Norovirusgefahr verstärkt ausgesetzt waren.

Der Patient hatte Glück, dass er dieser menschenunwürdigen Situation bereits am nächsten Tag entrinnen konnte. Die einzige Toilette im Flur war, als er sie offiziell aufsuchen durfte, entsprechend verdreckt (Kotreste in der Kloschüssel). Auch nachdem er die Toilette dann unter Ekelgefühlen gereinigt hatte, hat er mit Ekel diese genutzt. Für die "große Notdurft" hat er um seine vorzeitige Entlassung gebeten.

Im übrigen ist dieses Krankenhaus nach ISO im Bereich Qualitätsmanagement zertifiziert.

Geschuldet ist diese Situation einem riesigen Renovierungsstau in Kliniken und der radikal wirtschaftlichen Ausrichtung hin zu einer klaren Zweiklassenmedizin!

Kommentare:

kreeweible hat gesagt…

Um welches Krankenhaus handelt es sich? Nennen Sie doch Ross und Reiter. Gezielte Prüfungen, zum Beispiel durch die Aufsicht oder die Kassen sind nur möglich, wenn die Informationen auch ankommen.

Monika Armand hat gesagt…

Das Ministerium für Gesundheit in NRW und die zuständige Bezirksregierung sind in diesem Falle bereits informiert.

kreeweible hat gesagt…

Trotzdem: Mögliche Patienten sollten wissen, um welches Krankenhaus es sich handelt. Mündige Bürger/Patienten sollten die Wahl haben.

Monika Armand hat gesagt…

Es ist illusionär zu glauben, dass in solchen Dingen große Unterschiede zwischen den Kliniken bestehen (so meine Erfahrung).

Außerdem ist auch die "Wahlmöglichkeit" illusionär. Für Lungenkranke gibt es leider sehr wenig Klinikbetten (NRW) in zu wenigen Kliniken.Außerdem sind für diese "Krankengruppe" wirklich fachlich gut ausgebildete Ärzte gleichfalls eine Rarität, so dass eine "Wahlmöglichkeit" schon deshalb nicht gegeben ist.

Die Chirurgie in diesem Krankenhaus verfügt z.B. ausschließlich über 2-Bett-Zimmer.

Eine Nachfrage bei der Krankenkasse hat ergeben, dass Kranke keinen Anspruch auf "menschenwürdige" Bedingungen haben - egal in welcher Klinik.

In dieser Klinik gibt es immerhin keine "Flurbetten", wie dies z.B. in manchen auch privat geführten Universitätskliniken der Fall ist.

Aus meiner Sicht sind da die Träger (Bund und Länder, sowie die Verwaltungen der Krankenkassen) gefragt, solche Missstände zu beenden.Solange die verhandelnden Krankenkassenvorstände und Ländervertreter - dank hoher Einkommen ausschließlich privat versichert sind - wird sich das "Mitleid" in Grenzen halten....

Es ist auch keinem geholfen, solange Patienten "nur" auf ein anderes Krankenhaus ausweichen und die Versorgung in ihrer Nähe eingestellt wird, weil die Häuser dann geschlossen werden müssen....

Jene Kliniken handeln aus meiner Sicht ja nicht freiwillig gegen das Wohl ihrer Patienten.....(siehe auch mein Beitrag hier: Tolerierte Demütigung von Kranken und Alten ......)

Anonym hat gesagt…

So schlimm das ja auch alles sein mag.
Es gibt viele Länder auf dieser Welt und das nicht nur in der Dritten, sondern sicher auch in Europa, wo viele Menschne froh darüber wären, überhaupt eine angemessene Behandlung zu bekommen und ein Krankenversicherungssystem zu haben, wie das deutsche.
Außerdem gibt es auch in unserem Land schon eine ganze Reihe von Menschen (ehemals Selbständige, die zB Ihre Beiträge nicht mehr bezahlen konnten und dies vielleicht vorher in Ihrem Leben Jahrzehnte getan haben) die aus dem ganzen Krankenkassensystem einfach rausgefallen sind. Ganz zu schweigen von Randgruppen ohne jemals irgendwelchen Schutz.

Wenn Sie hier einen Skandal aufdecken wollen, nur zu !
Wer hilft denn demjenigen, der es in Deutschland aufgrund von Geldmangels und Rauswurf aus der AOK oder dem sozialen Leben ("Ruhen von Leistungen") gar nicht mehr bis ins Ach so schlimme Dreibettzimmer mit Eimer in der Ecke oder hinter einem Vorhang schafft ?
Niemand !

michael hat gesagt…

In diesem Sinne bitte mal auf Justiz und ihre Opfer nachsehen...
thanX