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Mittwoch, 18. November 2009

Einer trage des Anderen Last - Aus der Hospizarbeit

Natali Metzger
Dem Tag viel Leben geben. Das Kinderhospiz Löwenherz - Eindrucksvoller Bildband aus dem Kinderhospiz Löwenherz
Bethel-Verlag, 167 S., Ln. ISBN 978-3-935972-15-4, 39,90 Euro
"Einer trage des Anderen Last. Kaum etwas kann die Kultur in einem Hospiz und die Beziehungen zwischen Hospizgästen, Mitarbeitenden und ehrenamtlich Tätigen besser beschreiben als dieser programmatische Bibelvers." So fasst Bethels Vorstandsvorsitzender Pastor Friedrich Schophaus den Leitgedanken für die Hospizarbeit der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel zusammen. "Hospizarbeit heißt Nächstenliebe üben, bedingungs- und voraussetzungslos." In dem jetzt im Bethel-Verlag erschienenen Bildband "Dem Tag viel Leben geben" gibt die Fotodesignerin Natali Metzger aus Münster einen Einblick in diese besondere Arbeit im Kinderhospiz Löwenherz in Syke.
20 Tage und viele Nächte begleitete Natali Metzger schwerkranke Kinder, Pflegekräfte, Eltern und Geschwister mit ihrer Kamera. Das Ergebnis ist ein Bildband mit 120 Fotos, der das alltägliche Leben in dem Kinderhospiz bei Bremen aus der Nahaufnahme zeigt. Natali Metzger hat eine warme, freundliche und häufig sogar leichte Atmosphäre eingefangen -an einem Ort, den die meisten Menschen in Gedanken mit Tod und Sterben verbinden. In Hospizen für Erwachsene verbringen unheilbar kranke Menschen ihre letzten Tage und Wochen. In Kinderhospizen jedoch steht das Leben im Mittelpunkt. Es geht um die Unterstützung und Begleitung der gesamten Familie. Die Mitarbeitenden in den Hospizen ermöglichen Kindern und ihren Familien, die noch verbleibende Zeit gemeinsam möglichst positiv zu gestalten. Viele verbringen nur einige Zeit im Kinderhospiz und kehren dann nach Hause zurück - mit neuer Kraft, aber auch besser vorbereitet auf den endgültigen Abschied.
Bilder mit Kindern - und nicht über sie - ermöglichen einen liebevollen, unvoreingenommenen Zugang zu einem sehr schweren Thema, nämlich dem leidvollen Leben schwerstkranker Kinder und ihrer Familien. Auch das gehört zum menschlichen Leben und braucht seinen Raum, vor allem aber die Achtung der Menschenwürde bis zuletzt. Dafür steht das Kinderhospiz Löwenherz, und das wird in diesem Buch eindrucksvoll anschaulich.
Löwenherz ist das einzige Kinderhospiz in Niedersachsen und Bremen. Hier finden jährlich bis zu 150 schwerstkranke Kinder und deren Familien Hilfe, Begleitung und Unterstützung. Das Kinderhospiz ist einer von fünf Standorten, an denen sich Bethel in der stationären Hospizarbeit engagiert.
In seinem Geleitwort zu dem Bildband formuliert Pastor Friedrich Schophaus: "Wir setzen uns ein für die Würde des Menschen bis zuletzt, und das bedeutet, auch dem Leben Raum geben bis zuletzt, todkranken Menschen beistehen, ihnen Zeit und Zuwendung geben, da sein auch für Angehörige und Freunde, eben einer trage des anderen Last" ... Mehr zum Buch und Bilder - Webseiten des Kinderhospizes Löwenherz - siehe auch Videos in der rechten Spalte dieses Blogs und im Blog Kinderkreativität

Herbert Scheuring
Wege durch die Trauer
180 S., brosch., ISBN 978-3-429-02592-2, € 9,90 (D), CHF 18.50, € 10,20 (A)
Es gibt nicht nur einen Weg durch die Trauer. Es gibt viele Wege, denn jeder Mensch trauert anders. In diesem Sinne möchte das vorliegende Buch Trauernden in schwieriger Zeit beistehen. Es berichtet über Menschen, die ebenfalls einen schweren Verlust erlitten haben; es gibt Auskunft darüber, was in der Zeit zwischen Tod und Beisetzung zu tun ist und wie der Abschied von einer geliebten Person gestaltet werden kann; und es stellt Menschen vor, die Trauernden Hilfe und Begleitung anbieten (ergänzt durch ein weiterführendes Adressenverzeichnis im Anhang).
Auf einfühlsame Weise gelingt es dem Autor, zwei manchmal unvereinbar scheinende Welten miteinander zu verbinden: die Trauer und das Weiterleben; und für den Gedanken zu öffnen, daß Trauer nicht das Ende der Liebe bedeutet, sondern ihre Fortsetzung.

Herbert Scheuring
Mit der Trauer leben - Von Abschied und Neubeginn
288 S. mit 28 Schwarzweißfotos, brosch., ISBN 978-3-429-02960-9, € 9,95 (D), CHF 18.60, € 10,30 (A)
Dieses Buch beschreibt, wie die Trauer das Leben verändert und wie es gelingen kann, mit der Trauer zu leben. Es stellt unterschiedliche Personen vor, die darüber berichten, was sie belastet und was ihnen geholfen hat. Die Trauer um einen geliebten Menschen tut weh. Wie verarbeitet man diesen Verlust? Jeder auf seine Weise. Davon erzählen die 28 Geschichten in diesem Buch.
Herbert Scheuring, Dr. phil., geboren 1960, ist Redakteur der Tageszeitung Main-Post (Würzburg), in der auch seine für dieses Buch zusammengestellte Artikelserie "Mit der Trauer leben" erstmals zu lesen war.

Elisabeth Kübler-Ross
Kinder und Tod
Knaur TB, 304 S., ISBN 978-3-426-78112-8, EUR (D) 8,95
Wie gehen Kinder mit dem Tod um? Anhand von Erlebnissen, Gesprächen und Briefen beschreibt die bekannte Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross auf einfühlsame Weise, was der Tod für Kinder bedeutet, welche Stadien todkranke Kinder durchlaufen und wie Eltern ihnen die Angst vor dem Sterben nehmen können.
Ein informatives Buch, das wertvolle Einblicke gewährt, Ratschläge gibt und Trost spendet.
Die Autorin: " ... Elisabeth Kübler-Ross wurde am 8.Juli 1926 als eine von drei Drillingsschwestern geboren und wuchs in der Nähe von Zürich auf. Nach dem Krieg studierte sie Medizin und arbeitete kurze Zeit als Landärztin. Nach ihrer Heirat ging sie in die USA und begann dort 1958 ihre Fachausbildung für Psychiatrie. 1965 übernahm sie eine Professur an der Universität Chicago. 1969 erschien ihr erstes Buch «Interviews mit Sterbenden», das sie weltweit berühmt machte. Damit brach sie mit dem Tabu, das Sterben als einen wesentlichen Teil des Lebens aufzufassen. Die Hospizbewegung, Sterbebegleitung und Selbsthilfegruppen für Trauernde verdanken sich ihrer Initiative ... " Mehr zur Autorin

Außerdem in diesem Blog:
Sabine Meinig: Wenn Kinder sterben - Die Arbeit im Kinderhospiz

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Der Tod in den Weltkulturen

Dr. Karl-Julius Reubke
Die fremden Gesichter des Todes - Sterben, Tod und ewiges Leben in den Weltkulturen und Weltreligionen
240 S., Broschur, ISBN 978-3-86783-005-8, EUR 19,80 (D), EUR 20,40 (A), sFr 35,90
Das Zusammenwachsen der Welt erfordert eine gleichzeitige Differenzierung im Umgang mit den Kulturen und den einzelnen Menschen. Deren existenziellen Perspektiven nach Sinn und Bestimmung, die in der Frage nach dem Tod kulminieren, erfordern Antworten, die sich im Bereich tradierter Betrachtungen nicht mehr finden lassen. Vor diesem Hintergrund wird das wachsende Interesse an fremden Religionen verständlich.
Das Buch schildert, dass keine der Weltreligionen eine einheitliche Anschauung und Rituale für Sterben und Tod kennt. Totzdem scheint sich ein bestimmendes Motiv wie ein roter Faden durch alle Glaubensrichtungen hindurch zu ziehen, das sich nicht in einheitlichen rituellen Formen als vielmehr in einer gemeinsamen inneren Haltung äußert. Diesem »Geist der Religion« geht der Autor nach.
Materialistisch-naturwissenschaftliche Weltanschauungen wirken im 21. Jahrhundert ebenfalls wie eine weltumspannende Religion. Ihr Paradigma prägt auch unser Verhältnis zum Sterben und zum Tod. Diesen Materialismus zu überwinden, ist ein Hauptanliegen des Autors. Und gleichzeitig beschreibt er eindringlich eine Perspektive, durch die die Weltreligionen verstanden und die Gegensätze von Glauben und Wissen überwunden werden können.

Inhalt

Nachdenken über den Tod
* Schwerlose Gedanken * Philosophen, Dichter, Propheten * … und die nützlichen Wissenschaften * Der Tod kein Thema * Die Weisheit der Religionen * Das Gesicht des Todes * Ein neuer Zugang

Tod als Befreiung – Buddhismus
Die östlichen Religionen und der Buddhismus
* Das alte indische Erbe * Die Wiege der Religionen
* Gautama Buddha * Jainismus
Buddhismus als Religion
Tibetisches Totenbuch / Buddhistische Sterbebegleitung * Buddhistisch sterben heute
Der Tod im Leben des Gautama Buddha
* Buddhas Todeserlebnisse * Der Hingang des Erhabenen
Buddhismus als Religion
* Die Sprache des Buddha * Zen-Buddhismus * Tibetischer Buddhismus * Lamaistische Schulen
Das tibetische Totenbuch und die buddhistische Sterbebegleitung
* Schatztexte * Die Lehre des Bardo Thödol * Was bleibt? * Wie das Totenbuch in Tibet lebte
Buddhistisch sterben heute
* Ein Buddhist stirbt * Die offenen Fragen

Weltreligionen in unserer Zeit
* Was ist Religion? * Was ist eine Weltreligion? * Die Entstehung der Religion * Das Weltparlament der Religionen * Alle Religionen sind an ein Ende gekommen * Toleranz * Wahrheit oder Wahrheiten? * Das Feld des Geisteskampfes

Leib und Seele – Judentum
Judentum als Weltreligion
* Judentum heute * Die zwei Lebensströme
Der seelische Strom
* Die Erschaffung des Menschen * Die Träger der Pflicht * Ein Jude stirbt * Wer entscheidet? * Aufgaben der Familiengemeinschaft * Er allein * Begleiter des Sterbens
Die jüdische Religion
* Epochen der jüdischen Religion * Der Talmud * Jüdische Gemeinschaften
Der leibliche Strom
* Jüdische Reinheitsvorschriften * Unreinheit des Leichnams * Die Reinheitsreligion Zarathustras * Trauer * Die Reinigung * Der Leichnam – eine Unmöglichkeit * Dämonen und Dibbuks
Tragik des Todes
* Auch Sterben ist Pflicht * Ahasver * Uneingelöste Versprechen

Sterben als Ärgernis
* Die »sechste Weltreligion« * Menschwerdung * Sprünge, Übergänge, Emergenzen * Entwicklung – was ist das? * Wissenschaftliche Definition des Todes * Psychologische Konsequenzen * Lebensverlängerung * … darüber muss man schweigen * Erinnerungsstücke * Trauerbewältigung * Wie stirbt ein Materialist? * Steht ein Paradigmenwechsel bevor?

Verantwortung und der Wille Allahs - Islam
Tod in der islamischen Welt
* Die vielen islamischen Opfer von Naturkatastrophen * Der Tod des Propheten
Grundzüge des Islam
* Mohammed und die Entstehung des Korans * Die Ausbreitung des Islam und die erste Spaltung * Die Vielfalt Islamischer Gemeinschaften * Islamische Sekten und die Abspaltungen der Baha'i * Der Islam in neuerer Zeit * Die Krise des Islam im 20. Jahrhundert
Islam und Christentum
* Begegnung von Christentum und Islam im Beginn der Neuzeit * Goethe und der Islam
Muslime begleiten
* Der alltägliche Umgang * Im Umfeld des Todes * Die Bedeutung der Katastrophenopfer für die Zukunft des Islam

Geisteswissenschaft – Zukunft des Todes
* Das Erkenntnisproblem * Was heißt Geisteswissenschaft? * Der neue Ansatz * Ein einsamer Weg * ... von vielen begangen * Die erste Hülle des Menschen * Andere Hüllen * Der Herr im Hause * Weltenwerden * Das Ernstnehmen * Entwicklung und das Böse in der Welt * Die wieder gewonnene Dreigliederung * Das ganze Leben

Tod und Auferstehung – Christentum
Die christlichen Religionen
* Christus und die christlichen Religionen * Der Ursprung der christlichen Religion * Ars Vivendi – ars Moriendi: Sterben und Tod im christlichen Mittelalter * Reformation und Hinwendung zum »rechtschaffenen Leben« * Theologie heute * Der neue Sakramentalismus

Die offenen Fragen im Umkreis von Sterben und Tod
* Fragen aus dem Buddhismus * Fragen aus dem Judentum * Fragen aus dem Islam * Was ist den Fragen gemeinsam

Die Eroberung der Ewigkeit
* Lessings Erkenntnis vom Sinn der Entwicklung * Die Auferstehung des Leibes * Tod und Freiheit

Das Mysterium von Golgatha

Die neuen Gesichter des Todes
* Lebensende heute * Ende der Tradition * Drei Seiten der Menschenwürde * Lebenslauf * Assoziationen

Der König stirbt

Samstag, 21. Februar 2009

Buch und Theaterstück (zum buchen)

Eric-Emmanuel Schmitt
Oskar und die Dame in Rosa - Erzählung
Aus dem Französischen von Annette und Paul Bäcker. Mit achtzehn farbigen Abbildungen von Marcelino Truong, Ammann Verlag Zürich, 112 S., ISBN 9783250104940, EUR 19.90, CHF 34.90 und ISBN 9783250600572, EUR 13.80, EUR (A) 14.20, CHF 25.80
Oskar und die Dame in Rosa ist ein Buch, dem man sich nicht entziehen kann. Ohne falsche Sentimentalität geht Eric-Emmanuel Schmitt ein schwieriges und trauriges Thema an und spendet mit seiner warmherzigen Erzählweise die Kraft und den Mut, einer solchen Situation offen zu begegnen. Mit den farbigen Illustrationen, in kräftigen Pastelltönen gehalten und weich konturiert, gelingt es Truong, den Text um eine versöhnlich zarte und romantische Note zu bereichern, ohne kitschig zu werden. Autoren-Webseiten

Das Theaterstück "Oskar und die Dame in Rosa" mit Eva Ingeborg Scholz kann ab sofort über die Akademie Panta Rhei gebucht werden. Geeignet für Hospize, Kliniken , soziale Einrichtungen ...
Oskar ist zehn und hat noch zwölf Tage zu leben. Hat Eltern, die damit restlos überfordert sind. Hat Ärzte, die ernsthaft frustriert sind und - Gott sei Dank! – hat er so was wie einen Engel. Der besucht ihn regelmäßig und ist eine "uralte" Dame in Rosa. Ex-Catcherin behauptet sie. Eine, die ihn nicht anlügt, jedenfalls nicht in Dingen, die zählen, eine die nicht kneift wenn’s knifflig wird, eine die ihm mit Phantasie und Humor begegnet, eine die ihm zuhört, eine mit brauchbaren Ideen.
Zum Beispiel die hier: 1 Tag = 10 Jahre. Wenn die Zeit sehr knapp wird, muss man besonders kreativ mit ihr umgehen. Heißt: Leben im Zeitraffer. Heißt: Oskar erlebt das alles ein bisschen früher: Grad noch zehn, blüht ihm ratzfatz die Pubertät, das große Verliebtsein, das große Betrübtsein, Midlife-Crisis, Alter… Er lernt sich kennen: glaubend, liebend, hoffend zweifelnd, ängstlich, elend. Lernt, sich zu versöhnen – vor allem mit denen, die ihn in ihrer Hilflosigkeit zugemüllt haben mit Geschenken: seinen Eltern. Lernt, was das Schwerste von allem ist: mit dem Tod versöhnt zu sterben.
Oskar 10, Rosa 110 (?): Zwei, die sich nichts vormachen; zwei die sich stellen, die sich halten, die sich Mut machen. Zwei, die noch was zu lachen haben wollen, trotzdem. Auf Anregung der alten Dame hat der kleine Mann einen Schriftverkehr der besonderen Art geführt. Den sie uns an diesem Abend präsentiert. - Mehr dazu auf Akademie Panta Rei

Mittwoch, 18. Februar 2009

Sterben: todernst oder mit einem Sterbenden lachen?

Pakhi (Elke Powels)
Ästhetisches Sterben - mit Lachen und Meditation. Ein Buch für Sterbende und Sterbebegleiter
272 S., TB, 15 Bilder, 8 Illustrationen, ISBN 978-3-86582-475-2, 16,80 EUR
In diesem Buch geht es um leichtes, glückliches Sterben. Was hält uns Menschen davon ab, ästhetisch zu sterben? Die Autorin beschreibt die Gründe und zeigt, wie entscheidend Individualität das Leben und den Tod beeinflusst. Sie beschreibt ausführlich die einzelnen Sterbephasen, und berichtet von Erfahrungen mit Sterbenden, die sie während ihrer Arbeit als Altenpflegerin beobachtet hat. Einfühlsam geht sie auf Themen wie Liebe, Lachen und Meditation ein, auf Himmel und Hölle, Zenmeister und deren Lächeln, Begräbnis oder Verbrennung und Totenfeier. Außerdem sind in dem Buch viele hilfreiche Hinweise für den begleitenden Freund eines Sterbenden zu finden. Das ganze Buch ist durchzogen von Witzen und Haikus, die den Text wunderbar leicht und ansprechend machen. Die Autorin bleibt bei ihren eigenen Erfahrungen und gibt viele praktische Hinweise, für die Sterbebegleitung und den Sterbenden selbst. Dieses Buch ist nicht nur interessant für Menschen, deren Tod bevorsteht. In gewisser Weise sind wir alle Sterbende, es mag eine Frage der Zeit sein, wann uns der Tod begegnet. Jeder von uns muss sich ihm stellen - warum nicht in einer so fröhlichen, unbeschwerten und schönen Weise, wie es dieses Buch vorschlägt?

Leseprobe: Körperliche Bedürfnisse von Sterbenden
Wärme: Ein Sterbender hat ein starkes Wärmebedürfnis. Man könnte sagen, ihm ist immer kalt. Das hängt auch damit zusammen, dass sich die Energien nach innen zusammenziehen. Daher kann es schön sein, ihm ein Bettjäckchen und Wollsocken anzuziehen, oder einen warmen Schlafanzug, der auch die Arme bedeckt. Manchmal können Sie ihm auch ein Heizkissen, eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen ins Bett legen, so dass ihm wärmer ist.

Schmerzfreiheit: Sterbende haben oft Schmerzen. Meiner Meinung nach ist das heutzutage nicht mehr notwendig, es gibt gute Schmerzmittel, die rundum wirken, ohne das Bewusstsein zu trüben. Ihr Hausarzt kennt sie sicherlich. Manchmal muss man ein wenig nachhaken, denn die Ärzte sind gelegentlich etwas zurückhaltend beim Verschreiben solcher Medikamente. Ich würde sie viel eher einsetzen, als es üblich ist. Meine Mutter hatte das Glück, in einem Hospiz aufgenommen zu werden, in dem sie mit einem morphinähnlichem Präparat versorgt wurde. Dies hatte den guten Effekt, neben Schmerzlinderung auch noch stimmungsaufhellend zu wirken. Bei meiner Mutter war das eine wunderbare Sache – es kann sein, dass es bei anderen Individuen störend ist – ich jedoch bin ein Befürworter für eine sofortige Schmerzlinderung. Schmerzen können zwar eine Brücke für Bewusstheit sein, doch dazu muss man Erfahrung in Meditation haben. Hat man sie nicht, würde ich jeden Sterbenden sofort mit Schmerzmitteln versorgen.
Auch bei motorischer Unruhe und Ängsten würde ich bei Sterbenden, die keine Erfahrung mit Meditation haben, zu ihrer Beruhigung Medikamente einsetzen. Es gibt keinen Grund, den Körper im Sterben leiden zu lassen.

Ein befeuchteter Mund: Bieten Sie dem Sterbenden öfters zu trinken an. Wenn der Mund trocken ist, sollten Sie ihn alle 10 Minuten befeuchten. Sie können dazu dickere Wattestäbchen in Tee tauchen, oder ein Stück Leinen anfeuchten und den Mund damit auswischen. Es gibt auch künstliche Speichel, die man dem Sterbenden in den Mund sprüht, die sehr hilfreich sind.
Manchmal bildet sich eine raue, borkige Schicht auf der Zunge, die ist mit etwas Butter und einer Zahnbürste zu entfernen.

Hygiene, Sauberkeit: Ein Grundbedürfnis von uns Menschen und auch von einem Sterbenden ist die Sauberkeit. In der Pflege gibt es unterschiedliche Waschungen, eine anregende und eine beruhigende. Bei Ihrem Freund sollten Sie beruhigend waschen, das bedeutet, das Wasser ist warm und die Waschbewegungen gehen mit der Haarwuchsrichtung gehen. Also zum Beispiel an den Armen von der Schulter zur Hand hin, bei den Füßen entsprechend und am Rücken auch von oben nach unten gehend. Die Bewegungen sollten ruhig ausgeführt werden. Als Waschzusatz kann man beruhigende Düfte zusetzen, wie Lavendel-, Sandel- oder Rosenholz- und Rosenöl.
Für den Intimbereich verwendet man Einlagen und Klebehosen. Unnötiges Herumdrehen bei der Intimpflege sollte man vermeiden. Eine sorgsame und aufmerksame Art des Pflegens wäre wünschenswert. Am besten pflegt man einen Sterbenden zu zweit, um Belastungen für ihn zu vermeiden. So kann man die Anstrengung der Pflege für ihn auf ein Minimum herabsetzen.

Wenig Nahrung: Ein Sterbender isst meist nichts mehr. Oder, wenn er überhaupt isst, dann nur bestimmte Dinge. Meine Mutter aß ein halbes Jahr nur ein bisschen Kuchen am Tag, sonst nichts mehr. Und das hat genügt, um sie noch lange leben zu lassen. Zwingen Sie keinen Sterbenden zu essen oder zu trinken. Es ist seine Entscheidung, und es ist eine gute Entscheidung. Es gibt keinen Grund, in Sorge zu sein, weil jemand nichts mehr essen will. Es heißt einfach, dass der Körper nichts weiteres mehr aufnehmen möchte und das kann man als ein Zeichen sehen, dass der Sterbeprozess, der Loslassprozess, begonnen hat.

Vegetarisches Essen: Ernährung mit Fleisch würde den Körper eines Sterbenden zu schwer machen. Vegetarisches Essen bringt Leichtigkeit mit sich, die dem Gesamtzustand des Sterbenden entgegenkommt. Diese Leichtigkeit halte ich für so wichtig, dass ich sie den Nährstoffen des Fleisches vorziehe. Falls der Sterbende sich jedoch sehr kalt fühlt, würde ich ihm als Ausnahme Hühnerbrühe geben, wenn er möchte. Sie hat eine sehr beruhigende und wärmende Auswirkung auf jeden Kranken.
Die meisten alten Menschen haben sich an Fleisch gewöhnt. In den Altenheimen wird sehr viel fleischhaltige Nahrung ausgegeben. Ich halte dies für einen sterbenden Menschen für unangemessen, selbst wenn er sein Leben lang Fleisch gegessen hatte.
Eine vegetarische Kost kann ebenso viele Vitamine, Mineralien und Proteine beinhalten wie eine nicht vegetarische Kost, die notwendigen Proteine könnten zum Beispiel mit Eiern abgedeckt werden. Die vegetarische Kost hat einen großen Vorteil: Es ist ein ästhetisches Essen. Der sonst so dichte Körper wandelt sich nach einer kurzen Umstellungsphase in eine Schwerelosigkeit, die besonders für einen Sterbenden sehr hilfreich ist.

Nonverbale Kommunikation: Wenn Sie die Wahl haben, dann fördern Sie lieber die nonverbale Kommunikation als die verbale. Ein Sterbender geht weg aus dieser Welt und wird sehr subtil, so dass es besser ist, mit ihm auch in dieser Weise zu kommunizieren. Er hat so feine Antennen, dass er von Ihnen viel mehr wahrnimmt, als Sie es glauben. Wenn Sie bei ihm sind, dann lassen Sie einfach nur Ihre Liebe und Freude fließen und er wird es verstehen. Wenn Sie ihm das Essen reichen, dann sprechen Sie nur wenig, geben Sie es ihm in ästhetischer Weise, so wie er es will. Zeigen Sie ihm, dass Sie ihn aufmerksam waschen und pflegen wollen, verwenden Sie nur wenig Worte dafür. Vermitteln Sie ihm alles, was Sie mit ihm tun, durch Ihr bewusstes Handeln. Ihre eigene Aufmerksamkeit ist wichtiger als alle Worte. Er geht auf seine Reise nach innen und das oberste Gebot sollte sein, ihn nicht zu stören.

Umlagerungen: Um ein Druckgeschwür zu vermeiden, muss der Sterbende umgelagert werden. Dies sollte möglichst ohne unnötige Belastung für den Sterbenden vor sich gehen. Es ist daher wichtig, in bestimmten Abständen umzulagern, meist geht man von 2 Stunden aus, doch das ist individuell verschieden. Ihr Freund liegt die ganze Zeit unbewegt auf einer Stelle und daher muss er in einem bestimmten Zeitraum wieder entlastet werden. Man kann durch sorgfältiges Beobachten Stellungen finden, die ihn mehr entspannen als andere. Wenn der Körper entspannt ist, dann ist das angenehmer für ihn. - Webseiten zum Buch mit vielen weiteren Hinweisen

Sonntag, 26. Oktober 2008

Vorbereitung auf das Sterben (2)

Philippe Ariès
Geschichte des Todes

Aus dem Französischen von Hans-Horst Henschen und Una Pfau
dtv-TB, 848 Seiten, ISBN 978-3-423-30169-5, Euro 17,50 [D], 18,00 [A], sFr 29,90
In zwanzigjähriger Forschungsarbeit hat Aries eine Fülle archäologischer, literarischer und liturgischer Quellen gesichtet, Sterberiten und Bestattungsbräuche untersucht, die Geschichte der großen städtischen Friedhöfe studiert und zahlreiche Testamente durchforscht. Entstanden ist eine Geschichte der Einstellungen des Menschen zum Tod und zum Sterben.

Akademie PANTA RHEI - für einen neuen Umgang mit Sterben, Tod und Trauer
... Die Aufgabe, die wir uns stellen, ist ein neuer Umgang mit Sterben, Tod und Trauer. Die Verdrängung des Todes in unserer Gesellschaft hat dazu geführt, dass fast ausschließlich in Krankenhäusern, Altenheimen, Pflegeheimen, Hospizen und nur noch selten zu Hause gestorben wird. Häufig ist nur professionelles Personal anwesend, manchmal die engsten Angehörigen, allzu oft auch gar niemand. Medienberichte über Unglücksfälle, Suizide und große Katastrophen mit vielen Toten gemahnen kaum jemanden an die Realität des eigenen, unausweichlichen Todes. Wir sehen unsere Aufgabe darin, Sterben, Tod und Trauer aus dem Tabubereich herauszuholen und als natürliche Gegebenheiten in das öffentliche Leben und die Entwicklung des Einzelnen zu integrieren ... Panta Rhei (alles fließt)

Samstag, 25. Oktober 2008

Vorbereitung auf das Sterben

Stephen Levine
Noch ein Jahr zu leben
- Wachsamkeit und Gewahrsein durch die Vorbereitung auf das Sterben

Übersetzt von Karin Petersen, J. Kamphausen Verlag 1998, 240 S., Broschur, Pb, ISBN 3-933496-34-9, 19,50 €
Stephen Levines neues Buch offenbart ein ebenso faszinierendes wie wirkungsvolles Programm und gibt uns einen Schlüssel zu tiefgreifender Befreiung von jeglicher Last nicht erst angesichts des nahen Todes.
Empfohlen von der "InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland: Zwar älter, aber immer aktuell! Poetisch, warmherzig und humorvoll gibt Stephen Levine an uns weiter, was er durch sein einzigartiges Experiment erfahren hat: Die Vorbereitung auf das Sterben und den Tod lehrt uns, in jedem Augenblick wach und gewahr zu sein und schenkt uns eine neue, zutiefst lebendige Beziehung zum Leben. Berührt von den Fragen, Zweifeln und Sehnsüchten dieser Menschen, die durch den nahenden Tod aufgefordert waren, sich dem Leben neu zu stellen, beschließt der Autor an einem Silvesterabend, das kommende Jahr so zu leben, als sei es sein letztes. In seinem neuen Buch vermittelt er uns mit praktischen Schritten, geleiteten Meditationen, Weisheiten, Gedichten und einfühlsamen Schilderungen menschlichen Sterbens direkten Zugang zu dieser Aufgabe. Sein Text birgt eine Unmittelbarkeit des Erlebens, die unsere Sicht der Welt nachhaltig verändert und uns zwingt zu überprüfen, was wirklich wichtig ist. - Mehr zum Thema: Kritische Bioethik

Dienstag, 29. Juli 2008

Zum Leiden verdammt......

obwohl seit 15 Monaten per Gesetz die Möglichkeit geschaffen wurde, dass Sterbende zuhause palliativmedizinisch versorgt werden können, übernehmen die Krankenkassen dafür nicht die Kosten.....

Leiden am Lebensende Versorgung Todkranker trotz Gesetz unsicher:
Seit über einem Jahr schon ist es Gesetz: Todkranke Menschen haben das Recht, ihre letzten Wochen zu Hause und nicht in einer stationären Einrichtung zu verbringen. Dabei soll ihnen die Palliativmedizin ein schmerzfreies und friedliches Lebensende ermöglichen - bezahlt von der Krankenkasse. Doch das Gesetz kommt bei vielen Patienten bis heute nicht an. Bildquelle Pixelio: (c) Ferdinand Lacour

Zum Thema siehe auch:

Wenn der Glaube an Gott das Mitgefühl verdrängt....02. Juli 2008, 19:12

Sterben und Tod sind Tabuthemen. Vielleicht deshalb verlangen Politiker, Ärzte- und Kirchenvertreter, dass Patienten so lange wie möglich leiden, ja leiden sollen und müssen.Nachtrag: Ich habe diesen Beitrag am 3.,4. u.5. Juli erweitert, denn:

Der Gedanke daran, dass wir z.B. in eine solche Situation kommen könnten, schieben wir weit von uns weg. Allerdings kann dies fatale Folgen haben: Der Fall, der Französin Chantal Sebire, welche darum kämpfte in "Würde" sterben zu dürfen, weil in Frankreich (wie in Deutschland geplant!) die aktive Sterbehilfe unter Strafe gestellt ist, zeigt, wie unmenschlich ein solches Gesetz sein kann... (weiter)


Keine Angst vor dem Sterben, aber davor zu "krepieren".......09. Juli 2008, 15:44

Wichtiger Nachtrag (21.07.2008) angesichts der zunehmenden "Spardiskussionen" bezüglich der vom Gesundheitssystem geplanten Leistungseinschränkungen für chronisch Kranke und Schwerstkranke: Immer mehr führen statistische Kosten-Nutzen-Berechnungen zu (un-)sinnigen Behandlungsbeschränkungen. Die Einschätzungen über einen "erhöhten" Nutzen angesichts finanzieller Mehrbelastungen sind oft objektiven Beurteilungsmöglichkeiten entzogen. Ein als gering eingeschätzes "Mehr" an Nutzen führt daher zu Streichungen von Arzneimitteln und Behandlungsmöglichkeiten.....

Ethische Fragen scheinen diese Entwicklungen nicht aufzuwerfen.......das Sterben wird sich noch weiter verändern...(siehe "Nachtrag 21.07.2008" weiter unten) (weiter)

Mittwoch, 9. Juli 2008

Keine Angst vor dem Sterben, aber davor zu "krepieren".......

Je mehr Informationen zum Thema vorliegen, desto mehr stellt sich die Frage, wie wir in Deutschland mit alten und kranken Menschen umgehen. Anstatt bester Voraussetzungen wird immer wieder vom Pflegenotstand in Altenheimen und Krankenhäusern berichtet...... Zu Recht wurde in einem Kommentar im vorigen Beitrag kritisiert, dass...

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