Donnerstag, 21. Februar 2008

Der verschwiegene Notstand: Kliniken erleiden Qualitätsverlust

Wer im Internet eine Recherche zu diesem Thema startet, wird - angesichts der sonstigen Informationsvielfalt - ziemlich enttäuscht. Heute steht in unserer Zeitung (Neue Westfälische): "Kliniken in NRW droht Qualitätsverlust" - Krankenhausgesellschaft fordert Beteiligung an der Gesundheitspolitik.

D
as Problem:

Die Budgetierung im Gesundheitswesen, welche seit 2006 noch einmal forciert worden ist, führte zur finanziellen Unterversorgung in Kliniken. Dabei stiegen die Personalkosten (bei den Ärzten). Nun werden voraussichtlich, d.h. auch zu Recht, die Kosten für das Pflegepersonal steigen.

Das Schweigen:
Was "Normalbürger" nicht weiß ist, dass bedingt durch Einsparungen im Personalbereich (es arbeiten kontinuierlich weniger Ärzte und Pflegepersonal in Krankenhäusern) bereits seit einigen Jahren ein deutlicher Rückgang der Versorgungsqualität in Kliniken zu verzeichnen ist: Ärzte wandern zunehmend ins Ausland ab und stehen dann unseren Kliniken nicht mehr zur Verfügung, d.h. fehlende Ärzte sind also eher ein Nachwuchsproblem.
Beim Pflegepersonal liegt der Fall anders: es gibt auf dem Markt durchaus KrankenpflegerInnen, welche aus Geldmangel von den Kliniken nicht eingestellt werden können....

Der Alltag für die Krankenhausbeschäftigten:
Immer mehr Tätigkeiten müssen in immer kürzerer Zeit erledigt werden, so dass das Pflegepersonal und die zu geringe Ärzteschaft die Patienten mehr oder weniger nur noch "abfertigen" können. Für Aufklärungs- und andere Gespräche ist keine (kaum) Zeit. Das Personal ist gestresst, überarbeitet und ausgebrannt. In Erkältungsmonaten führen dann Erkrankungen des Personals zu unverantwortlichen und patientengefährdenden Engpässen. Wobei generell die Erkrankungen des Personals, aufgrund der extremen Belastungen, ständig zunehmen. Um all das zu kompensieren, ist das Personal immer weniger in der Lage den Patienten als Mensch zu sehen. Und die Fehlerquote und damit die Gefährdung der Patienten nimmt ständig zu.......

Der Alltag für die Patienten:
Wer nicht in der Lage ist zu überprüfen, ob er tatsächlich die richtigen Medikamente bekommt, sollte einen Angehörigen damit beauftragen.......denn hier passieren immer mehr Fehler. Aber auch woanders - ohne dass man hierfür das Personal kaum noch verantwortlich machen kann:

Denn es ist wissenschaftlich hinreichend belegt, dass überforderte, überarbeitete und gestresste Menschen grundsätzlich mehr Fehler machen. Die Konzentrationsfähigkeit sinkt, je höher die Stressbelastung ist.....in Kliniken also eine große Gefahr. In der Regel ist sich das Personal dieses Problems absolut bewusst, aber ohne Stressreduktion lassen sich die Zustände eben auch nicht ändern...Warum bei Fluglotsen Ruhezeiten streng beachtet werden müssen und Ärzte immer noch überlange Marathondienste leisten müssen,weiß keiner ...


Patienten, insbesondere chronisch Kranke, welche sowieso häufiger stationäre Aufenthalte in Kauf nehmen müssen, leiden unter der bestehenden Situation besonders. Selten werden sie gefragt, wie es ihnen geht. Das überforderte Personal erkennt aufgrund seiner Überforderung und der damit verbundenen Abstumpfung Zustandsveränderungenn der Patienten immer weniger. Die "Einweisung in ein Krankenhaus zur Beobachtung" wird zur reinen Farce. Wenn keine medizinische Versorgung zu diesem Zeitpunkt notwendig ist, ist in diesen Zeiten die "Beobachtung zu Hause" viel verantwortungsvoller und oft auch schneller. Denn dann landet man im Notfall direkt beim Notarzt, während der einzige bereitschaftsdienshabende Arzt wegen eines anderen Notfallsoft nicht abkömmlich ist, bzw. die Nachtschwester so beschäftigt ist, dass der Patientenruf ins Leere gehen kann oder erst sehr spät darauf reagiert wird......was eben manchmal auch "zu spät" sein kann..........

Noch wird so getan, als sei alles soweit in Ordnung........

Link zum Kliniksterben:
http://www.kliniksterben.de/friedhof/2006_09.html
Ich freue mich über weitere Links und Erfahrungsberichte (auch längere Berichte) von betroffenen Ärzten, Pflegepersonal und Patienten. Wir sitzen ja alle in einem Boot!!

Kommentare:

Peter Artmann hat gesagt…

Hallo Monika,
Kliniken müssen sparen und möglicherweise leidet darunter auch die Qualität - aber wenn man sich mal anguckt, was für ein Verwaltungswasserkopf so ein Krankenhaus mit sich bringt und wie gering - gemessen an den Gesamtpersonalkosten die Kosten für therapeutisch tätige Menschen sind - merkt man doch, was für eine ineffiziente Geldverschwendungsanstalt so eine Klinik ist. Das das nicht so weiter gehen darf ist auch eine Realität.

Monika Armand hat gesagt…

Vielen Dank für Deinen Hinweis. Hast Du hierfür irgendwelche Zahlen oder Quellenverweise? Da sollten doch "Patient" und "Krankenkassen" schauen, ob man nicht manchen Verwaltungsfritzen zugunsten von therapierendem oder pflegendem Personal einsparen könnte.....

Oder hast Du gar einen Bericht demnächst auf Deinen Seiten in petto?